Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
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1996, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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Ebenso wichtig scheint mir der ausführliche Beitrag von Wojciech Sołtysüber das traditionelle Nahrungswesen in der polnischen nördlichen Zipsnach den Erhebungen in dem Dorf Durstyn und fünf Nachbarorten, einerdurch lange Zeit verkehrsfernen Berg- und Agrarlandschaft nahe der Grenzezur Slowakei. Das hier aufgezeigte Nahrungswesen entspricht dem einerkleinbäuerlichen Reliktlandschaft. Es wird hier mit seinen landwirtschaftli-chen Grundlagen und einer sehr ausgeprägten Sammelwirtschaft( Pilze,Waldbeeren) eingehend beschrieben, auch mit gewissen speziellen Formendes Nahrungserwerbs wie z.B. des Netzfanges der Wacholderdrossel( ,, kwi-zol") und der Speisenzubereitung samt den dabei benutzten Geräten und derüblichen Kücheneinrichtung. Unter anderem werden die Butterbereitung mitdem Stoẞbutterfaß( ,, kiernicka) und die Verwendung von Kartoffelpresseund-sieb sowie gemahlener und gestampfter Gerste beschrieben. Rund 40früher übliche Alltagsspeisen nach einer relativ neueren Nahrungsstrukturmit sehr viel Verwendung der Kartoffel, weniger ursprünglichen Breispeisenund mehr gekochten Klößen sind angeführt. Volkskundlich von besonderemInteresse ist bei den Mahlzeiten die feste Sitzordnung auf bloßen Bänken,wozu es da heißt: ,, In der Küche traf sich( früher) die ganze Familie dreimaltäglich zu den Mahlzeiten. Die Speisen servierte man in einer gemeinsamenSchüssel, die auf der Bank(!) stand und um die herum sich das Hausgesindein festgelegter Folge auf drei Langbänken versammelte.( S. 109 undAbb. 14)

Besonders hinzuweisen ist dann auf die beiden weiteren Publikationendes Freilichtmuseums Sanok und des Museums für Masowien in Sierpc. Siebetreffen ein umfassendes Projekt einer planmäßigen Aufnahmeserie derHauslandschaften Polens in Einzelmonographien. Dessen Leiter Jerzy Czaj-kowski gibt dazu eine näher erläuternde Einführung mit dem Entwurf einesFragebogens im Anhang, der als Wegleitung dienen soll. Vorgesehen sind25 Einzelmonographien aus ganz Polen mit Einschluß von Niederschlesienund dessen Holzbauten, wozu noch vier entsprechende Darstellungen für dieangrenzende ehemalige Tschechoslowakei von V. Frolec, J. Langer, M.Sopoliga und J. Štika kommen sollen.

Als Muster dieser monographischen Serie zur Volksarchitektur in Polenliegt offenbar das Heft für das nordwestliche Masowien am rechten Ufer derunteren Weichsel von Tomasz Czerwinski vor. Darin werden die Siedlungs-und Dorfformen, die verschiedenen Gehöftanlagen ferner die einzelnenWirtschaftsgebäude und die verschiedenen Anlagetypen des Wohnhausesnäher beschrieben und auch in klaren Plan- und Bildbeispielen nach ihrenGrundtypen dargelegt. Zu wünschen blieben dabei die Aufnahmen auch vonGebäudequerschnitten, weil diese für die Baustrukturen wesentlich auf-schlußreicher sind als Außenfassaden. Als Ergebnis zeigt sich im Vorliegen-den eine grundrißartige Übersicht der Flur-, Orts- und Bauformen, die gewiß