Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
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Literatur der Volkskunde

ÖZV L/ 99

( 13./14. Jahrhundert) bereits dreiräumige Hausanlagen mit Stube- Flur-Stall oder Stube- Flur- Kammer ergeben. Er betont dazu: ,, Eines derwichtigsten Momente der... Änderungen( jetzt) ist die Zweiräumigkeit, einFlur wird angebaut, der in erster Linie als Verkehrsraum, zum Teil alsSpeicher dient, wo es aber keine Heizeinrichtung gibt. Diese Erweiterungspielte sich in einer einzigen Phase ab, ich fand keinerlei Beweise dafür, daßdieser zweite Raum aus einem stufenweise geschlossenen Wetterdach ent-stand. Das zweiräumige Wohnhaus( mit Stube+ Flur) befand sich bereitsvollkommen über dem Erdboden( S. 291). Von diesem hochmittelalterli-chen Flur- Stuben- Haus leitet der Verfasser ab dem 13./14. Jahrhundert bereitsdreiräumige Hausanlagen mit Stube- Flur Stall oder mit Stube- FlurKammer als Ausgangstypen ab, von denen er dann seit dem 14. Jahrhunderteine weitere, dreifache und bereits in Kleinlandschaften ausgegliederte Entfal-tung im Hausbau annimmt. Seine Grundrisse zeigen dabei vielfältig kombinier-te und differenzierte und unterschiedlich beheizte Raumgefüge. Noch deutlichertreten dann ab dem 14. Jahrhundert eine westliche, mittlere und östliche Regionsolcher vielfältig kombinierter und aneinandergereihter, immer aber noch ein-zoniger Hausbauten Nordungarns auseinander.

Die Grundlagen für diese nach Jahrhunderten(!) ausgegliederte Epochen-übersicht bilden die vorangehenden Kapitel über die einzelnen Bauteile derHäuser. Man sollte nicht übersehen, daß die darin eingebrachten Einzelfak-ten auch an und für sich ein großes Eigengewicht aufweisen und daher vongroßem Interesse sind. So etwa der Nachweis hochmittelalterlicher Zwei-raumwohnungen mit Stube und Flur( S. 36-49), die verschiedenen Erwei-terungen zu Dreiraumhäusern( S. 50-59), selbständige( Speicher-) Kam-mern( S. 60 61), die Wandbauweisen mit Holzblockbau( S. 99 106) undStänderbohlenbau( S. 115-122) und nicht zuletzt die beiden großen Kapitelzum Dachbau( S. 137- 181) und vor allem über die verschiedenen Feuer-stätten und Ofenformen( S. 183- 243).

Balassa analysiert also in seinem Buch die sich durch Jahrhunderteentwickelnden Wohnbauten nicht bloß nach deren Grundriß, sondern auchnach ihrer Konstruktion und nach formalen Einzelheiten. Nachdrücklichspürt man seine umfassende Sachkenntnis und die große Felderfahrung. Sovermag er für das behandelte Gebiet auch eine sehr differenzierte stratigra-phische und hauslandschaftliche Aufgliederung und Vielfalt aufzuzeigen,von einer Region, die im Norden und in den Berglandschaften Ungarns aushistorischen Gründen auch alte Überlieferungen des Bauens und Wohnensbesser bewahren hatte können als das Tiefland oder Transdanubien, weil sievon den Verwüstungen durch die Türkeneinfälle eher verschont gebliebenist. Hatte man also um 1930 etwa bei Zs. Bátky noch von einem einzigennordungarischen Grundtyp des Bauernhauses, dem sogen. ,, Paloczenhaus",gesprochen, so wird nunmehr wie in den Details auch in den Hausformen