Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
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1996, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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den Bodenfunden her die Anfänge ländlicher Baukultur zu ermitteln und ist,von hier ausgehend, bemüht, zu den rezenten Bauüberlieferungen und derenStratigraphie vorzustoßen. Es ergibt sich daraus notwendig auch ein deutli-cher Unterschied nach Inhalt und Sachverhalten in den Resultaten dieserBestrebungen.

So gesehen ist das vorliegende Buch des bedeutenden ungarischen Haus-forschers M. Iván Balassa für die vergleichende ethnologische Hausbaufor-schung von besonderem Interesse. Es verfolgt ,, die Spuren des annäherndtausendjährigen Formenwandels der Wohngebäude des im nördlichen, nord-östlichen Teil des Karpatenbeckens lebenden ungarischen Volkes( S. 290).Der Verfasser stellt zunächst das behandelte Gebiet, ehemals als Oberungarnbezeichnet, und die Begriffe ,, Bauernhaus( paraszthás), die Forschungsge-schichte, die Quellen und die wesentlichen bisherigen Vorstudien( Zsig-mond Bátky, Clara K. Csilléry, Jenö Barabás, Béla Gunda) vor. Er behandeltsodann bauanalytisch Grundriß, Wandbau, Dachwerk und Feuerstätten derHäuser in ausführlichen Untersuchungen unter Beiziehung reichen Plan-,Karten-, Bildmateriales aus Archäologie, Literatur und Feldforschung. Erstdaraus zieht er die Entwicklungslinien für das Bauernhaus in Einzeletappenvom 13. Jahrhundert und dessen älteren frühgeschichtlichen Phasen bis zum19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Er demonstriert diese Entwick-lung und Entfaltung des Hauses auch an Hand einer Schautafel mit Hilfeschematischer Grundrißskizzen und faßt schließlich die wichtigsten Merk-male für das nordungarische Haus in einer kurzen Übersicht zusammen.

Für den des Ungarischen nicht mächtigen Leser und Benützer hat Balassaim Anhang dankenswerterweise eine sehr ausführliche Zusammenfassung( ,, Auszug") in Deutsch und Slowakisch beigegeben, die jedoch eigentlicheine selbständige Abhandlung des gegenständlichen Themas darstellt. Diereich und dicht eingearbeiteten Fakten seiner großen Untersuchung bleibendabei nur dem ungarischen Originaltext vorbehalten. Das ist deshalb sehr zubedauern, weil in allen Abschnitten desselben wichtige Details vorkommenund man der Argumentation seiner Schlußresümees nicht immer zu folgenvermag.

Dazu sei daher wenigstens einiges auch für die vergleichende Forschungaußerhalb Ungarns angeführt. Balassa geht zunächst von frühmittelalterli-chen Siedlungsresten seit dem 9./10. Jahrhundert aus, die er noch alseingetiefte Grubenwohnungen nach zahlreichen Grabungsfunden aus ganzOsteuropa interpretiert und rekonstruiert. Wahrscheinlich handelte es sichdabei um viereckig- einräumige Großwohnanlagen, bereits mit einem Vor-derladerofen aus Stein oder Lehm und mit Gabelpfostendach, das jedochwohl kein flaches Satteldach, sondern ein haufenförmiges, steiles Voll-walmdach gewesen sein dürfte. Konkreter werden die Fundbelege für Ba-lassa ab dem 11./12. Jahrhundert, so daß sich daraus für das Hochmittelalter