1996, Heft 1
Das Fastentuch von 1640. II. Erwerbung und Tradition
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ge Probleme wie Umweltschutz oder das vereinte Europa ein. Dasdeutsche Missionswerk Misereor hat seit 1976 verschiedene Hunger-tücher in zwei Formaten, für Kirchen und für den Hausgebrauch,aufgelegt. Unmittelbar nach dem Einsetzen dieser Aktion berichtetdarüber auch Iso Baumer für die Schweiz.24
Für die Motivik neuer Fastentücher geben oft die Pfarrer derjeweiligen Kirchen die Anregungen. Man orientiert sich formalmanchmal an den älteren Vorbildern, inhaltlich überwiegen ,, moderne"Themen. Bei der Ausführung der Tücher wird stets der gemeinschafts-bildende Charakter der Handarbeit betont, an der aufgrund der Größeder Tücher meist mehrere weibliche Pfarrgemeindemitglieder Anteilhaben. Die neuen Tücher sind vorwiegend in textilen Techniken( File-tarbeit, Weißstickerei, Applikationstechnik) gefertigt, für malerischeAusführungen fehlen gewöhnlich die künstlerischen Fähigkeiten.
Auf diese Weise hat auch das oben bereits erwähnte Hungertuchvon Telgte rezente Nachfolger bekommen. Nach einem Photo von1895 eines verschollenen Fastentuches der Pfarrkirche St. Brictius inSchöppingen wurde 1984/85 in alter westfälischer Tradition ein neuesTuch gestickt. 25 Schon viel früher, nämlich 1948, wurde für den Domzu Xanten( Niederrhein) ein neues Fastentuch in Filetarbeit im Aus-maß von 8 x 9 Metern geschaffen, das die vierzehn Kreuzwegstatio-nen zeigt. Die weibliche Jugend der Pfarrei St. Heinrich in Bende beiBielefeld fertigte 1958 ein 7,5 x 4,8 Meter großes Tuch des Arma-Christi- Typs in Applikationsarbeit an.2
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Eine entsprechende systematische Untersuchung über die Revita-lisierung der Fastentücher in Österreich steht noch aus. Die Neuprä-sentation des restaurierten Fastentuches von 1640 des Österreichi-schen Museums für Volkskunde könnte dafür eine Anregung bieten.
24 Baumer, Iso: Das Fastenopfer
Hungertuch. ,, Sonntag“ 58. Jg., Nr. 8,23.2.1977. Olten 1977, 2 Seiten. Diesen und weitere Literaturhinweise verdankeich Dr. Klaus Beitl.
25 Fischer( wie Anm. 15).
26 Baumer( wie Anm. 24). Weitere Hinweise auf die Neugestaltung des altenBrauches finden sich bei: Hausl, Rudolf: Das Fastentuch in der FreisingerStadtpfarrkirche St. Georg. In: Amperland 6, 1970) S. 5- 6, 1 Abb.; Niermeyer,M.: De hongerdoek: oud en nieuw symbool van de Vastentijd[ Das Hungertuch:altes und neues Symbol der Fastenzeit]. In: Antiek 13, 1978- 79, S. 533- 542,9 Abb., Bibliogr.; Heim, Walter: Die Revitalisierung des Hungertuches. Ein alterKirchenbrauch in neuer Bedeutung. In: Archiv für Liturgiewissenschaft 23,1981, S. 3056, 3 Abb.