Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
Einzelbild herunterladen
 
  

32

Manfred Koller

ÖZV L/ 99

Darunter befinden sich außer Marienfiguren auch mehrere Anna- undSchutzengelgruppen sowie eine Michaelsfigur. Mayrhofers Katalogkann hier durch mehrere in den letzten Jahren vom Bundesdenk-malamt restaurierte Marien- und Heiligenfiguren ergänzt werden.Auf Kaltenbrunn im Kaunertal wurde schon im Zusammenhang mitbekleideten gotischen Figuren verwiesen( Kat. 1). In der Pfarrkirchevon Haiming im Oberinntal stehen vier nicht untersuchte Figuren inGlasschreinen, und in der zugehörigen Expositurkirche Haiminger-berg kommt eine Muttergottes mit Kind aus der Mitte des 18. Jahr-hunderts, die wie die folgenden auf der Ausstellung im WienerMuseum gezeigt wird. Ihre Qualität von Bildhauerarbeit und Fassungvon Büste, Händen und Füßen ist ausgezeichnet und gut erhalten,dazu kommen echte Haare, Glasaugen und eine teilweise ergänztevielteilige Garderobe( Kat. 5). Diese Statue ist ein schönes Beispielfür die Nobilitierung und zugleich Aktualisierung der Figurenbeklei-dung à la mode auch im bäuerlichen Umfeld. Eine noch wesentlichumfangreichere Garderobe dieser Zeit für eine kleine Wachsmadonnamit mehreren Strümpfen, Schuhen und Stecktüchlein aus dem Institutder Englischen Fräulein in München verwahrt das DiözesanmuseumFreising. Im Unterinntal besitzt die Kirche von Mariathal bei Kram-sach mehrere zum Teil bewegliche bekleidete Holzfiguren, die inGlasschreinen in der Kirche aufgestellt sind. Diese weisen nebenSchutzgittern auch Vorhänge als Blick- und Lichtschutz auf. IhremFiguren- und Kleidungsstil nach sind sie erst im frühen 19. Jahrhun-dert nach der Umwandlung des 1782 aufgehobenen Dominikanerin-nenklosters 1791 in eine Pfarrkirche entstanden. Sie stellen eineMadonna mit Kind, den heiligen Joseph und den guten Hirten dar.Dazu ist noch eine vielleicht ältere beschädigte bewegliche Marien-figur vorhanden. Ihre Bekleidung mit gold- und silberbestickten rotenund blauen Samtkleidern folgt in vereinfachten Formen den Vorbil-dern des Rokoko( Kat. 7 und 8). Eine ebenfalls ausgestellte, nachVerlust des halben Wachskopfes mühevoll wieder hergestellte Replikder Freisinger Madonna befindet sich in Privatbesitz in Obern beiLeutasch( Kat. 9). Sie besteht aus einer tuchumhüllten Strohpuppemit papiergefüttertem Unterrock und Fleischteilen aus Wachs mitFlachshaaren. Kleidung und Schmuck sind der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts( Biedermeier) zuzurechnen. Das im Jahre 1802 zerstörte44 Diözesanmuseum Freising, Kataloge Bd. 2. Christliche Kunst aus Salzburg,Bayern und Tirol. 12. bis 18. Jahrhundert. Freising 1984, S. 182 ff. mit Abb.