Jahrgang 
99 (1996) / N.S. 50
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Manfred Koller

ÖZV L/ 99

und Senken zulassen. Leider hat man den für die Aufstellung imBarockaltar der Ecce- Homo- Kapelle um 1710 fixierten Barockzu-stand als Ecce Homo mit textilem Spottmantel bei der Vorbereitungder 1976 im Salzburger Landesmuseum gezeigten Spätgotikausstel-lung rücksichtslos zerstört und die Figur wegen des aufgedecktenfragmentarischen Erstbestandes dann jahrelang deponiert. Das Bun-desdenkmalamt hat schließlich den verbliebenen Fragmentzustandgesichert, untersucht und soweit als nötig ergänzt sowie nach demSchnitt eines alten Spottmantels der barocken Ecce Homo- Statue inder Kapelle der Burg Hohenwerfen, Salzburg, den verlorenen Purpur-mantel erneuert( Kat. 2 im Anhang)". Der zeitlich und örtlich nächsteVerwandte des Rattenberger Schmerzensmannes ist der im Kern um1500 datierte Palmeselchristus von Thaur bei Innsbruck, dessen Zu-stand von Figur( bewegliche Gelenke ohne geschnitzten Körper) undBekleidung in bezug auf spätere Veränderungen noch genauer beur-teilt werden müßte¹².

Seit dem 15. Jahrhundert werden in der Künstlerpraxis ItaliensGliederpuppen( italien. manichino, französ. mannequin, niederländ.manneken) als Arbeitsbehelf beim Entwerfen eingeführt. Auf eineerste Erwähnung in Filaretes Architekturtraktat( um 1450/60 entstan-den) folgen Verwendungsnachweise bei Albrecht Dürer, Fra Bartolo-meo und anderen vor allem für Draperiestudien¹³. Aus der süddeut-schen Renaissance sind rund zehn künstlerisch herausragendeHartholzfiguren mit gedrechselten Gelenken erhalten, darunter einschönes Paar im Innsbrucker Museum Ferdinandeum¹4. Eine noch-malige technische und funktionelle Steigerung der Beweglichkeitbedeutete die Konstruktion von Automatenfiguren, wie sie mit der11 Vgl. Ausstellungskatalog Spätgotik in Salzburg. Skulptur und Kunstgewerbe1400 1530. Salzburg 1976. Manche Ausstellungen und Kataloge beschränkendas wissenschaftliche und konservatorische Interesse zu Unrecht nur auf denursprünglichen Zustand als sogenanntes Original und tragen damit zur Gering-schätzung und Zerstörung künstlerisch und geschichtlich interessanter Verände-rungen aus anderen Epochen mit bei.

12 Mayrhofer, U.: Bekleidete Prozessionsfiguren in Tirol. Ein Beitrag zur Kult-Funktion von Bildern. In: Zeitschrift für Volkskunde NF, 8, 1985, S. 107- 120-nach Grass- Cornet, M.; Von Palmeseln und tanzenden Engeln. In: Grass, N.( Hg.): Ostern in Tirol( Schlernschriften 169). Innsbruck 1957, S. 178 ff.

13 Meder, J.: Die Handzeichnung. Ihre Technik und Entwicklung. Wien 1922,S. 555 ff. Krafft und Brückner( wie Anm. 1).

14 Philippovich, E.: Kuriositäten- Antiquitäten. Braunschweig 1963, S. 369 ff.,Abb. 247.