Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LI/ 100

Volkskunst gegründet, in dem er sich um die Wiederbelebung ,, alterBauernkunst"- von der ,, wir allerlei Gesundes, Eigenfrisches lernen kön-nen!"( Deutsche Bauernkunst, 21931, S. 37)- bemühte. Schwindrazheimselbst war Professor an der Kunstgewerbeakademie in Altona, Mitarbeiterdes ,, Kunstwart", Protagonist der Heimatschutzbewegung, Sammler undPublizist- und er war Maler und hat als solcher nicht nur seine eigenenBände künstlerisch illustriert, sondern etwa auch Entwürfe für Schoyerer inkundig- professioneller Art angefertigt. Einige Abbildungen des hier ange-zeigten Bandes illustrieren dies und zeigen ihn als eine Art Designer, der inpraxi sein eingangs zitiertes ceterum censeo gewissermaßen Lügen straft.Bärbel Kleindorfer- Marx führt exemplarisch und mit dem Nachdruckeiner sorgfältigen und detaillierten Darstellung die Ambiguität von ,, Volks-kunst vor Augen. Als hinschwindendes Refugium bodenständiger Volks-tümlichkeit vor seelenloser internationalistischer Urbanität suggeriert, war Volkskunst zugleich Programm, war Entwurf und Prospekt lebens- undkulturreformerischer Attitüde,, modern wie jede zeitläufige Mode, warKatalysator kunstgewerblicher Intention, ja wurde von solcher als Terminuserst in die Welt gesetzt, etwa als ,, gewissermaßen kunstwissenschaftliche( s)Echo auf die Exnersche Hausindustrie- Ausstellung von 1890( so LeopoldSchmidt über Alois Riegls ,, Volkskunst, Hausfleiß und Hausindustrie 1894,der offiziellen Inauguration des Begriffs).

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Die Auswertung des Schoyererschen Firmenarchivs erlaubt Einsicht ingründerzeitliche Unternehmerkultur und den generationsweisen Wandel un-ternehmerischer Selbsteinschätzung, in die Organisation des Betriebes, indessen Auftragslage und Kundenkreis, in seine verkaufsfördernde Öffent-lichkeitsarbeit und Selbstdarstellung, etwa auf lokalen und regionalen Ge-werbeausstellungen. Zugleich belegt der umfangreiche Bestand an Ge-schäftsbüchern, Entwürfen, Werk- und Detailzeichnungen, Verkaufskatalo-gen etc. die ganze Bandbreite der Produktion, was in Schoyerers Fall nichtnur die Vielfalt der Möbeltypen und anderer innenarchitektonischer Arbei-ten von Kircheneinrichtungen bis Schiffsausstattungen meint, sondernauch das Spektrum all der Stilarten, die im Zeitalter des späten Historismusblühten.

Im Mittelpunkt steht jedoch der bislang als ,, Folklorist, als Sammler,Ausstellungs- und Museumsgestalter bekannte Architekt Franz Zell, Mitbe-gründer des Münchner ,, Vereins für Volkskunst und Volkskunde"( heute,, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege"), der ab den frühen 1890erJahren für Schoyerer als Musterzeichner arbeitete. Zell, in allen Stilartenversiert, adaptierte in seinen Entwürfen formale Standards der Gotik, derRenaissance, des Barock und Klassizismus, entwarf aber auch Interieurs in,, modernen, dem Jugendstil oder einem assoziativen Eklektizismus ver-pflichteten Formen- zu letzteren zählte auch, was Zell selbst als ,, modernen