1997, Heft 3
Schlangenhaut am Wege
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hat. Dieses Abmachen, das Abtun, dieses Vom- Leibe- Schaffen, das jaoft ein Moment der Abrechnung, vielleicht auch des Vatermords insich begreift( Goethe meint, er habe sich mit seinem Götz denübermächtigen, den bedrohlichen Shakespeare vom Leibe ge-schafft), haftet aber nicht allein am Prozeß der Vergegenständli-chung, sondern auch noch an seinen Resultaten- also an den Gegen-ständen selbst, an den Kulturprodukten, an den kulturellen Objekti-vationen, an den Elementen von Welt 3. Nicht allein das Ding ab-zugeben schafft Genuß- sondern auch: das Abgegebene vor sich zuhaben, zu betrachten, zu lesen, es wie ein Fremdes und als einFremdes zu berühren, abzutasten und zu studieren, es wie eine Jagd-beute genüßlich zu beäugen und zu zerlegen. Auch im Aufbewahrtennoch spiegelt sich die Lust des Loswerdens.
Ich halte inne: denn guter Aufbau eines Vortrags ist eine schwierigzu lösende Aufgabe und eine große Kunst, und ich bin nicht sicher,ob ich der Aufgabe gewachsen bin. Um ehrlich zu sein: Ich habe mirwährend der ganzen Vorbereitungsarbeit Sorgen gemacht, ob man dieDifferenz zwischen dem angekündigten Titel und dem Text, den ichnun vorgetragen habe, wohl würde tolerieren können. Doch wahr-scheinlich habe ich mir umsonst Sorgen gemacht- vermutlich warfrüh zu durchschauen, daß die Existenz von Welt 3 die Voraussetzungunserer Museen, und daß der Vorgang der Entlassung und Absonde-rung der kulturellen Objektivationen Vorbedingung des Sammelnsist oder umgekehrt: daß man die museale Situation als kleinerenSpezialfall der allgemeinen kulturellen Situation sehen kann, denmusealen Prozeß als Abbild des kulturellen Prozesses. Und vermut-lich war auch ohne aufdringlichen Fingerzeig des Autors rasch zuerkennen, daß die kurz skizzierten drei Bedeutungen des Ab-sonderungsvorgangs auch allegorisch fürs Museum gelesen werdenkönnen: das Museum ein Institut der wenigstens in ihrer Massenhaf-tigkeit uns über den Kopf wachsenden Dinge( 1.), das Museum( 2.)als Institut, in dem wir unseren kulturellen Sinn ausbilden; undschließlich( 3.) das Museum als Institut der vom Leib geschafften,der abgelegten, der überwundenen Dinge, die uns nicht mehr bedro-hendas Museum ein Ort der säuberlich ausgebreiteten, der akkuratabgezählten und beschrifteten Beutestücke hinter Vitrinenglas oder,
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18 Vgl. Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe( wie Anm. 1), S. 117, 233.19 Vgl. ebd. S. 176.