1996, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Angaben zur Beschreibung von Form, Dekor und Funktion eines Gegen-standes sowie zur Beschaffenheit des Gerätes( Material, Technik) gehörenzu den nächsten Inventarisationsschritten. Am Buchende( S. 159- 169)findet der Leser dazu die aufs Wesentlichste beschränkten Standardangabenin übersichtlicher Anordnung. Die Beschreibung eines Objektes soll vonunten nach oben erfolgen und ist mit Hilfe der übersichtlichen graphischenTafeln leicht nachvollziehbar( kein Herumblättern mehr wie im Leitfaden,überarbeitet und erweitert wurden die Ausguß- und Deckelformen, anderer-seits wurden die umfangreichen terminologischen Abhandlungen betreffenddie Randformen, die ja vor allem für die Bearbeitung von archäologischemScherbenmaterial von Wichtigkeit sind, in dieser volkskundlich orientiertenBeschreibungshilfe weggelassen).
Bei der Umstellung auf EDV bietet sich für den Bearbeiter einer Samm-lung die Chance, intern tradierte Objektbezeichnungen zu überprüfen. ImVorwort des vorliegenden Handbuchs wird darauf hingewiesen, daß es ,, imBereich von Forschung und Wissenschaft notwendig ist, eine für alle akzep-table Verständigungsebene zu schaffen“. Basierend auf dem Gleichklang derHochsprache können sich österreichische Institutionen in der gleichen Weisewie deutsche davon angesprochen fühlen. Nach einer Einigung auf diegrundlegenden vorgeschlagenen Formtypen( in Österreich wird beispiels-weise nicht zwischen Krug und Kanne unterschieden: nach den Beschrei-bungsstandards hat der Grundtyp Krug einen glatten Rand, eine Kanne muẞhingegen eine Ausgießvorrichtung haben), wie sie Werner Endres vorlegt,kann die volkskundlich und sprachwissenschaftlich interessante sowie re-gionale Unterschiede belegende Objektbezeichnung nachgestellt werden.Beim Lesen musealer Beschreibungstexte würde man sich im gesamtendeutschsprachigen Raum leichter tun.
Doch bis es zu einer verbreiteten Anwendung der vorgeschlagenen Stan-dards kommt, kann der reisende Museumsbesucher das Handbuch vonWerner Endres als Lexikon benutzen. In den Museen des deutschsprachigenRaumes werden die Objekte kurzsichtigerweise unter ihren regionalen Be-zeichnungen ausgestellt. Wie wenig Gleichklang dabei zwischen Süd undNord, Ost und West vorherrscht, das habe ich in den vorangehenden Wort-beispielen auszudrücken versucht. Ein letztes Beispiel dazu. Im schleswig-holsteinischen Landesmuseum stand als Erklärung zu einem Porzellangefäß,, Kumme" geschrieben. Was für norddeutsche Kollegen eine selbstverständ-liche regionale Bezeichnung ist, ist einem Österreicher nicht geläufig. Imvorliegenden Handbuch ist die„, Kumme“ sowohl unter der Grundform,, Becher" als auch unter ,, Schale" definitorisch und fotografisch zu finden.
In Erwartung deutschsprachiger Besucher überregionaler Herkunft( wirsind ja in der EU!) ist es für jedes Museum und für jede Sammlungempfehlenswert, die von Werner Endres in leicht nachvollziehbarer Weise