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Chronik der Volkskunde
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zu einem gewissen Grade Rücksicht nehmen mußten. So war mancheHilfestellung von außen möglich, wenn sie sich auf Bereiche bezog, diescheinbar keine unmittelbare Bedrohung für den Fortbestand ihrer Machtdarstellte. Als einer, der diese sich bietende Möglichkeit, mit den Waffeneines von einer Völker verbindenden Humanität geprägten Geistes gegenUnfreiheit und Unkultur zu kämpfen, schon früh erkannte, hat sich AlfredToepfer erwiesen, als er als großzügiger Mäzen im Jahre 1963, kurz nachdem Einsetzen der sog. Tauwetterperiode in der ehemaligen Sowjetunion dieHerder- Preise stiftete. Dadurch, daß seitdem in jedem Jahre sieben Vertreterverschiedener Künste und Wissenschaften verschiedener Länder des sowje-tischen Machtbereiches durch mit einer bedeutenden Summe dotierte Preisefür ihre besonderen Leistungen ausgezeichnet wurden und gleichzeitig jeeinem ihrer Schüler, also Vertretern der jungen Generation, durch ein Sti-pendium ein zweisemestriges Studium an der altehrwürdigen Wiener Uni-versität ermöglicht wurde, konnte eine selbständige Weiterentwicklung ihrernationalen Kultur gefördert und damit diesen Völkern in ihrer Gesamtheitin ihrem Überlebenskampf als eigenständige Nationen geholfen werden.Daẞ Alfred Toepfer die Verleihung der Herder- Preise auch nach der politi-schen Wende, die die Befreiung aller Völker des sowjetischen Machtblocksmit sich brachte, fortsetzte, zeugte von seiner großen kulturpolitischenWeitsicht, die gerade auch in der postkommunistischen Zeit mit all denneuen, ganz anderen Schwierigkeiten, die nun auf diese Völker einstürmten,die Notwendigkeit der Fortsetzung einer Förderung ihres kulturellen Lebensbedachte, ging es jetzt doch darum, daß die Fesseln der jahrzehntelangenZwangsherrschaft und ihre Folgen in allen Bereichen des Lebens endgültigabgeschüttelt und eine neue, demokratische Lebensordnung wiederherge-stellt werden sollte.
So werden auch in diesem Jahre wieder Vertreter von sieben Ländern desmittleren ost- und südöstlichen Europas mit Herder- Preisen ausgezeichnet.
Herder hat das Volkslied, das Jahrhunderte lang von den Gebildeten verach-tet und überhaupt nicht als etwas zur Kunst Gehöriges betrachtet wurde, alskünstlerisches, ästhetisches Gebilde wiederentdeckt. Er sah in ihm wie inder gesamten Volksdichtung das geistige Erbe einer jeden Nation bewahrtund damit einen Schatz von höchstem Wert und größter Bedeutung, den essorgsam zu hüten gilt. Durch die Zusammenstellung seiner, Stimmen derVölker in Liedern betitelten, Sammlung von Volksliedern vieler VölkerEuropas, die im Jahre 1817 nach seinem Tode erschien, hat er den Anstoßfür ähnliche Sammlungen in ganz Europa gegeben. Wie Herder es ausge-drückt hat ,,, ist das Wesen des Liedes Gesang“ und darum soll bei derVorstellung unserer diesjährigen Preisträger ein Vertreter der volkskundli-chen und der Systematischen Musikwissenschaft den Anfang machen.