Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
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Literatur der Volkskunde

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vor allem von der emotionalen Authentizität der Wiener Zeugnis geben soll;mit den bekannten Wortlisten wird das typisch Wienerische konturiert. Wienist morbid dafür steht Sigmund Freud, der ,, hier in seiner Heimatstadt denTodestrieb entdeckte, und deshalb wurde das Bestattungsmuseum in dieReihe der vorgestellten Sehenswürdigkeiten aufgenommen. Wien hat natür-lich auch ein bedeutendes Kunst- und Kulturerbe- dafür steht eine umfas-sende Dokumentation mit biographischen Hinweisen und Bildbeispielen zuMalern, Musikern, Architekten, Literaten, Bildhauern, Dramatikern undTheaterdirektoren. Als weniger bedeutend werden demgegenüber die Wie-ner Wissenschaftler eingeschätzt: Lediglich drei sind genannt( SigmundFreud, Ernst Mach und Ignaz Semmelweis) und die finden ihren Platz nichtwie ihre Kollegen unter der Rubrik ,, Kunst und Kultur" sondern unter,, Allgemeines zum Reiseziel".

Wien, das ist das Herz Österreichs, das für die große Kulturtradition undfür die kleinen Freuden des Alltags schlägt. Wie in jedem anderen Reisefüh-rer klassischer Prägung ist das Wien, das hier mit einigem multimedialemAufwand in Ton und Text, in Foto und Video vorgestellt wird, ganz das alte:mit all seinen Künsten und seiner Kultur so wertvoll wie ein Museum undso ruhig und überschaubar wie ein Innenraum- gemütlich eben. Extrava-ganzen( dies ist durchaus doppeldeutig zu verstehen), wie Darstellungen zurPost- oder Spätmoderne in der Großstadt Wien oder wie der Alltag ihrerBewohner, leistet man sich in diesem Reiseführer, im Gegensatz zu anderen,nur am Rande. Die Typisierung Wiens als schlechthin gemütlich läßt mansich auch nicht durch die auf effizientes Arbeiten hin konzipierte Benutzer-oberfläche des PC stören. Im Gegenteil: Die obligate( Sand-) Uhr ist ersetztdurch ein Icon, eine Ikone unter den Wiener Sehenswürdigkeiten, durch dasRiesenrad( das sich nicht dreht); die Cursor- Funktion Zurückblättern" istbenannt als ,, History- Funktion"; Intonation und Prosodie des Sprecherssind langsam und betulich, getragener noch als der zerdehnte Walzerklangim Hintergrund. Gestützt durch die Möglichkeiten dieses neuen Mediumswird also Altbewährtes präsentiert.

So gesehen hat diese CD- ROM so gut wie keinen Neuigkeitswert. DasBild ist jedoch ein anderes, wenn man Inhalt und Rezeption im Zusammen-hang betrachtet. Reiseführer werden am wenigsten von vorne bis hintengelesen, schon eher wird darin geschmökert, wird da und dort nachgeschla-gen. Dieser Rezeptionsweise kommt das neue Medium CD- ROM entgegen.Per Mausklick läßt sich das, was interessiert, herauspicken, läßt sich anderesüberblättern. Dementsprechend ist die Textorganisation in dieser Art Reise-führer eine andere, eine- und dies macht unseres Erachtens einen entschei-denden Vorteil der CD- ROM aus in mehrfachem Sinne offenere. Diesbeginnt damit, daß einleitende Essays fehlen. In solchen Texten, wie siegerade in Reiseführern und-büchern neuerer und neuester Machart Standard

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