Volume 
100 (1997) / N.S. 51
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LI/ 100

zu Donau, Thaya und March und den Weißen Karpaten in der heutigenSlowakei eine neue Heimat suchen hatte müssen. Sprache, Nationalbewußt-sein und katholischer Glaube ,, sicherten ihren neuen Siedlungsraum inmit-ten einer deutsch- tschechisch- slowakischen und vielfach protestantischenUmwelt durch lange Generationen vor Germanisierung oder Tschechisie-rung, aber in einer verständlich gewissen Nähe zu den Deutschen in Mähren.Erst viel später, in unserer Zeit, finden sie als anerkannte kroatische Min-derheit ihr Selbstbewußtsein wieder und pflegen es besonders seit 1991 inihrem auch geistigen Mittelpunkt Frielištof/ Fröllersdorf in Mähren.

Gleichfalls in kroatischer wie in deutscher Sprache führt uns Anto Nadjdurch die sanfte, nie grelle Bilderwelt des Othmar Ružička im Jahrlauf- undLebensring von Religion und Ritus, Kirchgang und Gebet, durch Landbauund Erntesegen, durch Traubenlese und Weinkost, zu den Trachten derGenerationen, zu Musikleben und Tanzfrohsinn. Dies immer auch zeitlichim Einklang mit dem Werden dieses kostbaren künstlerischen Erbes ausnunmehr auch vergangener, verlorener Zeit und Heimat in unserer unmittel-bar nördlichen Nachbarschaft.

Leopold Kretzenbacher

SCHERF, Walter, Das Märchenlexikon. 2 Bände. München, Verlag C. H.Beck, 1995, 1621 Seiten.

Angesichts dieses umfangreichen Werkes staunt man sowohl über die kaumüberbietbare Arbeitsleistung eines einzelnen Wissenschaftlers als auch übersein beneidenswertes Wissen. Denn die beiden Bände stellen eine Art,, Summa" im Sinne der mittelalterlichen Schriften dar.

Scherf hat sich nicht nur durch zahlreiche Publikationen als märchenerfahrenvorgestellt: In seinem 1982 erschienenen, Lexikon der Zaubermärchen darfman schon einen Vorläufer des nun vorliegenden Hauptwerks erkennen.

Rund 500 Märchen sind in diesen Bänden alphabetisch nach ihrem Titelangeordnet, aber durch ein ausführliches Register auch in ihren Zusammen-hängen erschließbar. Der Autor hat klug jede problematische Einteilung inVolksmärchen, Buchmärchen oder Kunstmärchen vermieden, vielmehr denjeweiligen Sinnzusammenhängen den Vorzug gegeben. Er hat überhaupt denGattungsbegriff weitgespannt aufgefaßt und in seine Analysen eingeschlos-sen, was wirklich zum großen Rahmen dieses Bereichs gehört.

Beim jeweiligen Stichwort folgt er seiner einheitlichen Methode: Über-lieferungs- und Veröffentlichungsgeschichte, Zuordnung zum Erzähltypus,Inhaltsangabe der jeweiligen Geschichte, parallele Fassungen oder Varian-ten, Querverbindungen in andere Sprachräume hinein, Analyse der Texteund Nachweis der dazu existierenden Sekundärliteratur.