Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LI/ 100

Die ca. 1.600 Objekte umfassende Sammlung läßt sich am besten aus derPersönlichkeit Spiegls erklären und dessen Bemühungen, ein Gesamtbildder regionalen Volkskultur zu zeichnen:

Baron Edgar von Spiegl( 1876- 1931) zog sich mit seiner Frau Lucy,geb. von Goldschmidt- Rothschild, aus dem Wien des Fin- de- siècle in dieVilla Engleithen bei Bad Ischl zurück, nachdem der Zusammenbruch derMonarchie seiner diplomatischen Laufbahn ein Ende bereitet hatte. Hierversuchte er- wie auch Konrad Mautner und Victor von Geramb einertypischen Zeiterscheinung folgend-, sich eine neue, einfachere Welt aufzu-bauen, sich von einem kultivierten Wiener Großbürger( zeitweise) in einen Einheimischen zu verwandeln.

Edgar von Spiegl verwirklichte seine Vorstellungen durch die Ausgestaltungdes ehemaligen ,, Schlagergutes", eines der beiden ursprünglichen Bauernhäu-ser von Engleithen, mit kostbaren alten Einrichtungsgegenständen und durchseinen stilbildenden und vorbildgebenden volkstümlichen Lebensstil.

In den 20er Jahren verstärkte sich der Wunsch des Sammlers, ein voll-ständiges Museum zur Volkskunde des Salzkammergutes zusammenzutra-gen; ein inzwischen eingespieltes Zubringerteam von Einheimischen undAntiquitätenhändlern von Wien bis München wurde tätig.

Er ließ sich bei der Auswahl von einer sehr individuellen Ästhetik leiten,legte großen Wert auf höchste Qualität und bevorzugte( früh) datierte Stücke.Dennoch handelt es sich nicht bloß um ,, schöne Dinge aus dem Salzkam-mergut, wie Krippen,( Spiegel-) Hinterglasbilder, Erzeugnisse des Viechtau-er Hausgewerbes, Gmundner Majoliken, bemalte Möbel oder um Kleinge-genstände der Volkskunst wie Bestecke, Dosen, Model, Pfeifen undSchnupftabakdosen, sondern durchaus auch um- ansprechende- Dinge, dieZeugnis von der Lebens- und Arbeitswelt ablegen( Alm- und Holzwirt-schaft, Feuerlöschgeräte, Beleuchtung, Küchengeräte, Volksfrömmigkeitusw.). Die Entscheidung für die Aufnahme in die Sammlung hing wohl vonder ,, Besonderheit eines Objekts ab, es handelte sich also um keine All-tagsgegenstände, sondern um( möglichst früh) datierte, besonders qualität-volle, seltene oder außergewöhnlich verzierte Stücke.

Die Einrichtung und Eröffnung des ,, Riedlerhäusels" am 5. Juli 1933 hatEdgar von Spiegl nicht mehr erlebt, aber die Gliederung nach funktionellenZusammenhängen entgegen der damals gängigen nach Werkstoffen und eine,, lebendige" Aufstellung ohne Vitrinen geschah ganz in seinem Sinne. Diesedurch die Gedrängtheit der Objekte und die offenen Regale einen sehr,, unmusealen" und unmittelbaren Eindruck erweckende Präsentation wurdemit den beiden Stuben( unten Gosauer" und oben ,, Schöne Stube imSchloßmuseum nachempfunden, nachdem die Sammlung 1961 von Lucyvon Spiegl dem Land Oberösterreich geschenkt und 1968 in der geradeeröffneten Volkskundeabteilung aufgestellt worden war.