Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LI/ 100

unternahm Kontakt- und Studienreisen nach Lemberg zur Verbesserung derRepräsentanz galizischen Kunstgewerbes in der Wiener Sammlung. Öster-reich förderte diesen Austausch unter anderem durch die 50% ige Finanzie-rung der wissenschaftlichen Ševčenko- Gesellschaft.

All diese Verbindungen verloren mit dem Ende der Monarchie ihrepolitischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen. Die galizische Samm-lung des Österreichischen Museums für Volkskunde rückte für Jahrzehnteaus dem Blickfeld. Die geänderten Verhältnisse der neunziger Jahre unseresJahrhunderts schufen jedoch die Voraussetzungen für neue Kontakte. Dieunterschiedliche ethnokulturelle Entwicklung in verschiedenen politischenund wirtschaftlichen Systemen erweckt nach fast achtzig Jahren wiedergegenseitiges Interesse. Wir entdecken die historischen Verbindungen aufsNeue und halten es für sinnstiftend, dieses ruhende Kapital einer revidiertenBewertung zu unterziehen und für weiterführende Erkenntnisse fruchtbar zumachen.

Vom 12. bis 13. November 1996 fand im Museum für Ethnographie undKunstgewerbe in Lemberg ein Symposion zum Thema ,, Ethnographie ohneGrenzen. Die Anfänge der volkskundlichen Sammlung und Forschung inden Karpatenländern- ihr zeitgenössischer Kontext und ihre Bedeutung fürheute statt. Das inhaltliche Konzept entwickelten Verein und Österreichi-sches Museum für Volkskunde in Wien gemeinsam mit dem Museum fürEthnographie und Kunstgewerbe des Instituts für Volkskunde der Nationa-len Akademie der Wissenschaften der Ukraine. Die organisatorischen Rah-menbedingungen schuf die von Elisabeth Hofer geleitete Außenstelle Lembergdes Österreichischen Ost- und Südosteuropainstitutes, deren Weiterbestandallerdings zur Zeit durch Spargesinnung am falschen Platz gefährdet ist.

Das Symposion war als Begleitveranstaltung zur Ausstellung ,, Bilder ausGalizien konzipiert, welche im Rahmen der Tagung in Lemberg eröffnetwurde. Die Ausstellung zeigt die im Bildarchiv der Österreichischen Natio-nalbibliothek verwahrten Originalvorlagen für die Abbildungen im soge-nannten Kronprinzenwerk ,, Die österreichisch- ungarische Monarchie inWort und Bild". Klaus Beitl spannte in seinem Eröffnungsvortrag deninhaltlichen Bogen von dieser zentralen wissenschaftlichen Leistung desausgehenden 19. Jahrhunderts, innerhalb derer dem Fach Volkskunde erst-mals im Kanon der klassischen Fächer eine gleichwertige Stellung einge-räumt wurde, zum Österreichischen Museum für Volkskunde, das gleichsamals monumentale dreidimensionale Entsprechung zum schriftlichen Kron-prinzenwerk interpretiert werden kann. Die Ausstellung, welche inzwischenauch im Volkskundemuseum in Krakau zu Gast war, wird vom 18. März bis1. Juni 1997 im Wiener Volkskundemuseum zu sehen sein.

Das Symposion thematisierte die Anfänge der institutionalisierten volks-kundlichen Sammlung und Forschung um die Jahrhundertwende, stellte die