Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
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Klara Löffler

ÖZV LI/ 100

verliert sich zunehmend, wenn Österreichisches als, traditionelleKüche und als Eigenes im Unterschied zum Anderen zelebriert wird.Die Anfänge der ,, Revitalisierung regionaler Kost" liegen mittlerwei-le Jahrzehnte zurück, 54 doch werden unermüdlich Revivals unteranderem des Österreichischen ausgerufen.55 Heute haben nicht nur dietraditionellen politischen Eliten den Schau- und Kultwert traditionel-ler Küche entdeckt. Auch intellektuelle Milieus üben sich in derimmer wieder neuen Entdeckung der guten alten, der einheimischenösterreichischen Küche. Dabei kokettiert man in Lebensstilentwür-fen, wie sie etwa unter dem Etikett, Gastrosophie' in Stadtmagazinenund Zeitgeistblättern vertrieben werden, mit dem, was Ulrich Tolks-dorf als ,, Geschmacks- Konservatismus 56 benannt und analysiert hat.Möglichst von, heiligmäßiger Schlichtheit'57 sollte diese neue Küchedes Österreichischen sein.

Einen pathetischen und auch dogmatischen Ton nehmen derartigeKüchenphilosophien besonders dann an, wenn es um die Unver-fälschtheit, also die Authentizität der Ingredienzien geht. Moralischhochgestimmt wird dann Österreichisches in seinen Vorzügen be-schrieben, während Ausländisches als mögliche Zutat eigentlich garnicht erst den Weg in den Einkaufswagen finden sollte. Das Idealda folgt man noch den Grundsätzen der etwas ins Abseits geratenennouvelle cuisine- ist der Direktbezug( auch mit direkter Kommuni-kation) vom Bauern des eigenen Vertrauens. 58 Nicht zuletzt dieseMaterialehrfurcht, die sich in engem Konnex mit der wachsendenVerunsicherung immer besser informierter Verbaucher zu einem Ma-terialfetischismus entwickelt hat, dürfte auch ein Hintergrund dafürsein, daß die Lust auf Österreichisches zunimmt.

54 Vgl. Köstlin, Revitalisierung( wie Anm. 44).

55 Vgl. zuletzt den Artikel: Schnitz und Spatzen, Kohl und Hering. In: Börsenblattvom 8.11.1996, Nr. 90, S. 47- 49.

56 Tolksdorf, Das Eigene( wie Anm. 51), S. 188.

57 Dieses Qualitätsmerkmal wird im Vorwort den besonders gelungenen Abbildun-gen zum Text verliehen, in: Wienerin Spezial vom Dezember 1996: So schmecktÖsterreich. Eine kulinarische Rundreise mit Vierhaubenkoch Helmut Österrei-cher, S. 5.

58 Vgl. dazu ebd.