Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
Einzelbild herunterladen
 
  

46

Klara Löffler

ÖZV LI/ 100

unspezifischen Hintergrund) setzen auf eine postmoderne Note. Imzentralen Bildmotiv aber verläßt man sich auf Traditionelles: Abge-lichtet ist hier ein gutgelauntes junges Paar, das vor sonnendurchflu-tetem Horizont beim mit Bauernleinen gedeckten Tisch sitzt, vor sicheinen Brotkorb und die Reste einer Brettljause, um sich von einemBauern Most einschenken zu lassen.

-

Mit relativer Zuverlässigkeit ist es diese traditionelle Kost, die inden Vordergrund gerückt wird, wenn es gilt, typisch österreichischesEssen und das ist nach geläufigem Denkschema, das das Große fürdas Ganze nimmt, häufig das Wienerische ins Bild zu setzen.Derartige Essentials sind das Deftige und das Süße. Beides ist ambesten hausgemacht oder sollte wenigstens wie hausgemacht ausse-hen und schmecken. Österreichisches Essen wurde und wird so nichtselten im Gegensatz zur sogenannten gesunden und schlanken Küchequalifiziertjenseits jeglicher Kalorien- Arithmetik. Wenn in ein-schlägigen Reiseführern, Werbebroschüren und Kochbüchern einlei-tend immer die Vielfalt der österreichischen Küche herausgestrichenwird, so um in möglichst langen Traditionslinien die historischeDignität der österreichischen Küche zu illustrieren. Aus solcher Viel-falt entstandene Raffinesse ist denn auch nur am Rande ein Qualitäts-kriterium. Was in Überblicksdarstellungen, Beschreibungen und Re-zepten aufgetischt wird, dies ist doch wieder die österreichischeKüche. Auch dafür hat man Erklärungen parat: Aber was schonimmer Charme und Eigenart des Österreichers ausmachte und welcheKunst er bis heute vortrefflich bewahrte: Er hat nichts kritiklosübernommen. Er hat das Fremdländische mit der ihm eigenen Lie-benswürdigkeit ausgestattet.

<< 42

, Hausmannskost' ist jenes Prädikat, das der österreichischen Kü-che, ob auf dem Land oder in der Stadt, ob in Fremd- oder inSelbstdarstellungen, am häufigsten verliehen wird.43 Dieser Charak-ter des, Hausgemachten dürfte den jüngst unter Beweis gestelltenPrestigewert des Erdäpfelsalates ausmachen., Ähnlich wie die Be-griffe, wie bei Muttern oder Nach Großmutterart' zielt auch der41 Vgl. Morawetz, Gertrud: Österreichisch und Gesund kochen. Erstes Kochbuchösterreichischer Spezialitäten aus dem vollen Korn- ohne Zucker. Innsbruck

1982.

42 Piepenstock, Marianne: Österreichische Küche. 400 Spezialitäten aus Österreichzum Selbermachen. München 1964, S. 6.

43 Vgl. als willkürlich herausgegriffenes Beispiel der Info- Teil in GEO. Special.Wien+ Österreich vom Dezember 1995, Nr. 6, S. 157- 203.