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Klara Löffler
ÖZV LI/ 100
Dieses Leitbild vom Österreicher als einem Lebenskünstler fandeine szenische Umsetzung in dem von der Bundesregierung in Auf-trag gegebenen und 1952 nach einem Drehbuch von Ernst Marboeund unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner realisierten Filmpro-jekt ,, 1. April 2000". Was hier unter dem Label Filmsatire firmiert,dies ist eine eher pathetische Saga über österreichischen Wiederauf-bau, österreichische Friedensliebe und Gastfreundlichkeit. Beschrie-ben wird in dieser ,, österreichische[ n] Freispruchs- und Opferinsze-nierung" 19 ein Volk( die Österreicher), das sich, nachdem es sich fürfrei erklärt hat, wegen ,,, Aggression und Weltfriedensbruch"" 20 voreiner Weltschutzkommission mit seiner gesamten Geschichte zu ver-antworten hat. Doch gelingt es, auch diese strenge Untersuchungs-kommission von der sozusagen natürlichen Friedfertigkeit des öster-reichischen Volkes zu überzeugen: Es werden Kronzeugen aus derGeschichte berufen; heikle Situationen zwischen Besatzern und Bür-gern versteht man stets in Komik und Gelächter aufzulösen; Interessezeigt man ohnehin mehr für die kleinen Vergnügungen des Alltags alsfür politische Belange. Zum guten Schluß wird geheiratet( der Bun-despräsident und die Kommissionvorsitzende) und auf dem WienerNaschmarkt Walzer getanzt.21
Film wie Buch geben einen guten Eindruck von der ,, Re- Austrifi-zierung" 22 wie sie schon kurz nach dem Krieg über die verschiedenenMedien in Gang gesetzt wurde und wie sie den Wirklichkeitshaushaltder Zweiten Republik nachhaltig bestimmt hat. Dabei richtete mansich im Bild von der ,, unschuldige[ n] Kleinheit des Landes“ 23, sozu-sagen im Diminutiv ein. Doch fällt auch eine Kanonisierung desPassiven auf: So setzen die verschiedenen GeschichtserzählungenÖsterreichs, gerade auch diejenigen der Zweiten Republik, in vielenMomenten auf die Geschlechterkonstruktion des Weiblichen. In Be-
19 Veigl, Hans: Die 50er und 60er Jahre. Geplantes Glück zwischen Motorroller undMinirock. Wien 1996, S. 52.
20 Zit. nach Rieser, Susanne E.: Bonbonfarbene Leinwände. Filmische Strategienzur( Re-) Konstruktion der österreichischen Nation in den fünfziger Jahren. In:Albrich Thomas, Klaus Eisterer, Michael Gehler u.a.( Hg.): Österreich in denFünfzigern. Innsbruck, Wien 1995(= Innsbrucker Forschungen zur Zcitge-schichte, Bd. 11), S. 119 – 136, hier S. 131.
21 Dazu Rieser, Bonbonfarbene Leinwände( wie Anm. 20), S. 130-133 und Veigl,Die 50er( wie Anm. 19), S. 50- 52.
22 Sieder, Wirtschaft( wie Anm. 9), S. 16.
23 Kos, Imagereservoir( wie Anm. 14), S. 607.