Jahrgang 
100 (1997) / N.S. 51
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Herman Roodenburg

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stammes, der dadurch um so reicher erscheint und wenn eine oder dieandere entfaltung fehlte, dann im ganzen verlieren würde." Aber erkommt erst zu dieser nuancierter Beobachtung, nachdem er zunächstseinem Ärger über Bilderdijk Luft gemacht hat. Offenbar hat er etwasüber dessen Ideen vernommen oder gelesen. Er eröffnet den Brieffreundlich, aber dennoch nicht zu enthusiastisch. ,, Ich verkenne man-che vortheile und schönheiten der niederl. sprache nicht, so lesenwir zunächst. Doch Bilderdijk, so schreibt er weiter ,,, ist gewöhnlichungerecht gegen unser hochdeutsch, das er nicht genug kennt oderkennen will. Er nennt es verdorben. Nun könnte man das Hochdeut-sche eher entstellt nennen als das ältere Deutsch, es besteht aber einUnterschied: ,, es ist weniger verdorben, als das holländische, aufwelches das französische in wörter und in der syntax viel nachtheili-ger eingewirkt hat." 32 Und damit schlug er natürlich eine empfindli-che Saite an. Mehr noch, Bilderdijk selbst hatte verschiedene Maledarauf hingewiesen, kurz nach der Krönung Lodewijk Napoleons imJahre 1806 und erneut 1810 nach der Einverleibung durch das fran-zösische Kaiserreich, daß das Niederländische unter all dem franzö-sischen Einfluß zahlreiche Entstellungen' erlitten hatte. Und mehrals das war er besorgt, daß die eigene Sprache sogar vollständigverschwinden sollte. 33

Die nationalistischen Gefühle Grimms, seine Hoffnung, daß diedeutsche Sprache die, Kleinstaaterei besiegen und das deutsche Volkvon neuem vereinigen würde, sind wohlbekannt. Es waren Auffas-sungen, die von der deutschen Intelligentia in viele manchmalmilde, manchmal heftige- Varianten unterteilt wurden.³4 Über Bil-32 Zitiert bei Kossmann( wie Anm. 25), S. 21.

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33 Mengelingen en fragmenten, S. 91- 92( es betrifft hier die oben bereits erwähnteMémoire); Brieven( wie Anm. 30), S. 25 26( Brief an Mr. Hendrik van Wijn,datiert 11.9.1810), wo er schreibt: ,, Wy zien duidelijk, dat door de vereenigingmet het Fransche Rijk, onze Hollandsche taal welhaast wijken moet uit deRechtbanken, Gerechtshoven, en schier alles wat tot het Algemeen Landsbestuurt'huis behoort. Wat is daarvan te wachten, vooral in een tijd waarin' t HollandschKarakter door zoo veel verbasteringen en vooral door de toemenging van zoooneindig veel vreemdelingen van allerlei Natiën, gantsch versmoord ligt? HetFransch wordt eerlang onze eigen landtaal, en onze schoone moederspraak gaatmet geheel onze Nationale letterkunde te niet."

34 Für eine nuancierte Charakterisierung solcher Auffassungen bei Jacob undWilhelm Grimm, siehe Bausinger, Hermann: Natur und Geschichte bei WilhelmGrimm. In: Zeitschrift für Volkskunde 60( 1964), S. 54 69, bes. S. 68; undDenecke, Ludwig: Jacob Grimm und sein Bruder Wilhelm. Stuttgart 1971,