Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVI/ 105

Bei den Gelegenheitsversteigerungen( S. 206 ff.) geht es um einen Sitz im,, Chor"( stasidion), um Grundbesitz der Kirche und Schenkungen, umRegenlitaneien, Kircheneinweihung und verschiedene andere Anlässe, zudenen jeweils nur eine einzige Quelle vorliegt. Das Kapitel ist wiederumvon anschaulichen graphisch- statistischen Darstellungen, die heutzutageauf dem Computer leicht zu erstellen sind, sowie Übersichtskarten beschlos-sen( S. 221-245).

Das dritte Kapitel unterteilt das Material nach Kategorien der zu ver-steigernden Rechte: hier führt zahlenmäßig das Halten( Tragen) von Ikonen( Wimpeln oder seltener Reliquien), vor allem am Theophanietag, zu Osternund bei Heiligenfesten( S. 247 ff.), gefolgt vom Halten des Kreuzes bei der,, Kreuz- Taufe"( Hagiasmos) am Theophanie- Tag( S. 255 ff.). Schon selte-ner sind folgende Gelegenheiten: das Anzünden eines Brauchfeuers( S. 259 ff., fast ausschließlich Kappadokien vor 1922), Kreuztragen beimEpitaphumzug( S. 262 ff.), während andere Gelegenheiten nur durch weni-ge Quellen belegt sind. Häufig sind wiederum die Tier- und Speisenopfer( kurbani, prosphora): die Opfertiere, die von der Festhandlung übrigbleiben,werden von der Kirche versteigert, Devotionalien und Sachopfer( S. 274 ff.,auch Schmuck, Tücher, Linnen usw.), Spenden für das Brauchmahl, Tier-häute, Broterhebung usw. Bei den übrigen Kategorien nimmt die zahlen-mäßige Vertretung in den einzelnen Quellenberichten stark ab. Das Kapitelist wiederum von Statistiken, graphischen Darstellungen und Übersichtskar-ten beendet( S. 308-319). Ein Epilog( S. 321 ff.) faßt die Ergebnisse zusam-men, ein Anhang bringt Quellenauszüge( S. 329 ff.) aus dem Fallmaterial( insgesamt 39). Nach eingestreuten Photographien folgt die Abbreviations-liste( S. 345 f., die Bibliographie( S. 247-272), bei der die handschriftlichenQuellen vorherrschen, Sekundärbibliographie, geordnet nach griechischenund anderssprachigen Quellen, ein English summary( S. 375 ff.) sowie einumfassender Generalindex( S. 383 ff.). Mit dieser vorbildlichen Monogra-phie ist ein im wesentlichen bereits historischer Brauch der orthodoxenPastoralpraxis erschöpfend aufgearbeitet und es bleibt abzuwarten, wanndiese Ergebnisse in einen größeren komparativen Kontext gestellt werden,um zu allgemeineren Schlüssen zu gelangen.

Walter Puchner