Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
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2002, Heft 3+ 4

Chronik der Volkskunde

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lich relevante Strukturen, Kategorien und Prozesse( vor allem politischeKontexte und Gender), die Denk- und Handlungsmöglichkeiten sowie-bar-rieren für WissenschaftlerInnen in ,, Ost" und ,, West" markieren.

Bei aller Vielfalt der Themen- sie wurden stets in einem Spannungsfeldvon Ideologie/ Politik der kommunistischen Regime und alltäglichen Praxengesehen. Wie Radost Ivanova brachten viele andere ReferentInnen persön-liche Erfahrungen ein. Es ging immer um die Wechselwirkungen jeweilsvorgefundener Strukturen und den Wahrnehmungen und Handlungen unter-schiedlicher AkteurInnen. Eine grundsätzliche und teilweise emotionsbela-dene Debatte über Sozialismus als System, Herrschaft und Lebensweltentstand: Ist der ,, real existierende Sozialismus als totalitäres System zuanalysieren, das eine Reihe von Modernisierungsdefiziten( freilich: imVergleich zu wem und was?) implizierte? Oder lassen sich nicht gerade auseiner Alltags- und Erfahrungsperspektive Tendenzen einer Modernisierungherauslesen, die sich aus dem Zusammenwirken politischer und ideologi-scher Vorgaben mit dem Tun der vielen AkteurInnen entwickelten? Sovielum nur einen heiß diskutierten Gegensatz zu nennen.

Die langjährige Abschottung der nationalen Volkskunden beziehungs-weise Ethnographien vor 1989 hatte das Repertoire an Themen, Fragestel-lungen und Methoden eingeschränkt; gerade in Zeiten des Kalten Kriegesblieb die Rezeption ,, westlicher" wissenschaftlicher Arbeiten begrenzt.Inzwischen sind eine Reihe von Initiativen und Projekten zur ErforschungSüdosteuropas entstanden, in die südosteuropäische und westeuropäischeWissenschaftlerInnen eingebunden sind- auch die hier besprochene Ver-anstaltung in der Sofioter Akademie der Wissenschaften stand im Kontextsolcher neuen Kooperationen. Es geht nicht zuletzt um ein Zusammenführenvon ,, Insider und, Outsider"-Perspektiven. ,, Looking at Socialist Lifefrom the Inside and from the Outside", übertitelte Klaus Roth( München)seinen Beitrag. Roth selbst präsentierte sich vor allem als akademischer undprivater Zeitzeuge und- je nach Bedarf und Diskussionskontext- einmalals Outsider"( weil aus der BRD), einmal als ,, Insider"( weil mit einerBulgarin verheiratet). Das Begriffspaar wurde während der Tagung insge-samt ziemlich strapaziert-, ohne dass die Tücken des dahinterstehendenKonzepts thematisiert worden wären. Genauso wenig wurde das PhänomenZeitzeugenschaft reflektiert; es beeinträchtigte weniger die Beiträge,so manch interessante Diskussion wurde mit diesem, Argument abge-würgt.

aber

Den sogenannten Blick von außen auf den Sozialismus repräsentiertenWissenschaftlerInnen aus Deutschland und Österreich. Die Untersuchungder( nicht nur sozialistischen) südosteuropäischen Geschichte und Kultursteht in einer langen Tradition des ,, Othering"( unter anderem umfassend