2002, Heft 3+ 4
Chronik der Volkskunde
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Außenstelle Sofia des Österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts,fließen oft nur begrenzt. So lassen sich etwa Synchronübersetzungen nichtfinanzieren.
Die präsentierten Themen und Aspekte waren vielfältig wie Alltage essind. Wir möchten( und können nur) einige Vorträge exemplarisch heraus-greifen. Mehrere Beiträge hatten mit sozialistischer Festkultur zu tun- mitKonzepten und Aneignungen von Arbeiterfesten und-ritualen im sozialisti-schen Bulgarien beispielsweise beschäftigten sich Peter Petrov und IvankaPetrova( Sofia). Seit den 1950er Jahren waren Ehrentage für einzelneBerufsgruppen in verschiedenen Branchen eingeführt worden; darüber hin-aus Einstiegs-, Übergangs- und Ausstiegsphasen innerhalb des Lebenslaufsvon ArbeiterInnen rituell begangen. Offiziell sollten damit der ,, sozialisti-sche Aufbau" und die Leistungen der Arbeiterklasse gewürdigt werden.Jene, die gefeiert haben oder wurden, erinnern heutzutage hingegen vorallem in ihrem geselligen und konsumorientierten Charakter. Ivanka Petrovabehandelte, ausgehend vom Beispiel eines staatlichen Unternehmens, die-selbe Problematik. Die teilweise konträren Schlussfolgerungen beider Re-ferentInnen lösten eine Diskussion aus, ob die – nach 1989 ersatzlos gestri-chenen Feste und Rituale heutzutage vor allem in ihrem geselligen undkonsumorientierten Charakter erinnert werden, oder ob sie nicht zu gewisserInternalisierung des propagierten Arbeitsethos geführt haben.
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Zum sozialistischen Wohnungsbau arbeiten Ivan Nikolov und MargaritaHarbova( Sofia). Die unzähligen Plattenbauten in Bulgarien und anderenStaaten galten als ein wichtiges Symbol moderner sozialistischer Sozialpo-litik. Auf Basis biografischer Interviews ging Nikolov der Frage nach,welche Auswirkungen die neue Wohn- und Lebensform ,, im Block" und dieheterogene soziale Zusammensetzung der BewohnerInnen, auf deren sozia-le Beziehungen und Netzwerke- Familie, Nachbarschaft und andere sozialeOrientierungen- hatten.
Erfahrungen von Jugendlichen im Sozialismus, insbesondere in Jugend-brigaden, behandelte Radost Ivanova( Sofia), eine der InitiatorInnen derTagung. Unter( objektivierter) Bezugnahme auf eigene lebensgeschichtli-che Erfahrungen Ende der 1950er Jahre analysierte sie die Praxis Jugendli-cher in Baubrigaden im Spannungsfeld von Emanzipation und Disziplinie-rung: Neue Erfahrungsräume abseits elterlicher Kontrolle( vor allem fürMädchen) standen neuen Abhängigkeiten beziehungsweise Indoktrinatio-nen seitens des sozialistischen Staates gegenüber, der seine Jugendbrigadennach militärischen Regeln straff organisierte.
Recht zahlreich brachten Referentinnen dem Publikum Aspekte der Frau-en- und Geschlechtergeschichte im Sozialismus näher. Das ausgeprägteInteresse an diesem Thema lässt sich unter anderem damit erklären, dass die