2002, Heft 3+ 4
Heilige Zeiten- Traumzeiten
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Dabei entsteht die Bedeutung des Adventspiels im Wechselspielmit eigenen Interpretationen und der Interpretation der Definitionen,die andere dem Objekt ,, Adventsingen“ gegenüber einnehmen. So-ziale Wirklichkeit als symbolische Wirklichkeit konstituiert sichletztendlich erst durch die Interpretationsprozesse der einzelnen Ak-teure. Nicht die automatische Übernahme bestehender Bedeutungen,sondern der formende Prozeß der Interpretation, in dem der Handeln-de mit sich selbst agiert, ist für das soziale und kulturelle Alltagslebenkonstitutiv. Die Emotionen, die durch das Salzburger Adventsingenjedes Jahr neu ausgelöst werden, ergeben sich nicht reflexartig ausdem Schauspiel, sondern immer aus bereits vorhandenen Erfah-rungen, die mit dem gerade Erlebten zusammengelesen werden.
Ein wesentliches Charakteristikum des Salzburger Adventsingensist, daß es zum Träumen anregt, zu Träumen über die verloreneKindheit und ein Leben in Frieden und Geborgenheit. Das Advent-singen ist Trägerin einer Utopie, in die Vergangenheit ebenso hineinprojiziert werden kann wie die Zukunft.
Lassen sie mich mit einem Gedicht von dem 1999 verstorbenenVeranstalter, Tobi Reiser d.J., schließen: 30
Der Einsame träumt von seiner verlorenen Liebe.
Der Tag von seinen erloschenen Sonnen.
Alles und jedes träumt davon,
Verlorenes wiederzufinden.
Nur die Nacht hat keine Träume.
Sie ist der Traum, in dem sich alles verliert
und sich jedes wiederfindet.
Weitere Literatur
Mitterauer, Michael: Dimensionen des Heiligen. Annäherungen eines Historikers.
Wien 2000.
30 Reiser( wie Anm. 4), S. 106.