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Oliva Wiebel- Fanderl
ÖZV LVI/ 105
17 Aufführungen sind bis auf den letzten Platz belegt. Die Eintritts-preise sind von 6 Schilling auf bis zu 540 Schilling geklettert.23
Was zieht die vielen Besucher alljährlich nach Salzburg?
Im Spiegel der bei den Besuchern erhobenen Erzählungen gehörtzur Einstimmung in die Weihnachtszeit in Stichworten genannt:,, staade Musik“ ,,, etwas für's Gefühl“ ,,, der Stern" ,,, das Hirtenspiel"und die ,, lebende Krippe“. Eine in vielen Erzählungen faẞbareMotivation zum Besuch des Salzburger Adventsingens ist die Suchenach der verlorenen Weihnachtszeit der Kindheit, die in Rückerinne-rungen immer als eine außergewöhnliche Zeit dargestellt wird. DieBesonderheit des Monats Dezember liegt aus der Perspektive vonKindheitserzählungen nicht nur in der Geheimniskrämerei der Er-wachsenen und den vielen vom Kalender bestimmten Düften im Haus( Kerzenlicht von Wachsstöcken, Schlachten, Backen, Tannenduft),sondern vor allem darin, daß die Besucher einem bekannten Waggerl-text beipflichten, in dem es heißt: ,, Mutter und Vater hatten jetzt mehrZeit für mich und deshalb war mir die Adventszeit die liebste Zeit desJahres." In der Weihnachtszeit hatte die Familie in der Erinnerungvieler Erzähler eine besondere Bedeutung. Es war eine Zeit desErzählens.26 Dabei wurden die Beziehungen untereinander intensi-viert. Weihnachten ist ein Fest, das wie kein anderes in der Lebens-geschichte verankert ist, und das mit seinen bekannten Ritualen,seinen vertrauten Klängen und Sinneseindrücken Erinnerungen anvergangene Feste weckt.27
Eine 40jährige Frau aus einer Landwirtschaft aus dem PassauerUmland betonte beispielsweise, daß in ihrer Kindheit Weihnachteneigentlich die einzige Zeit gewesen sei, in der Kinder und Eltern aucheinmal über Gefühle gesprochen haben. Unter dem Jahr war auf demBauernhof dafür keine Zeit. Aber wenn die Familie im Advent so nach
23 Oft muß man um überhaupt an eine Karte zu kommen, gleichzeitig eine teureBusreise mitbuchen, da die Touristikunternehmer viele Karten aufgekauft haben.24 Eine 22jährige Kindergärtnerin aus Thyrnau äußerte beispielsweise: ,, Teuer istes schon, aber wegen der Einstimmung ist es uns das wert. Zu Weihnachten gehörteinfach seit der Kindheit ein Hirtenspiel." Sie hatte sich mit zwei Freundinnender Busreise angeschlossen und wollte zudem auf dem Salzburger Christkindl-markt einkaufen gehen.
25 Reiser( wie Anm. 4), S. 33.
26 D.h. es wurde mehr als gewöhnlich miteinander gesprochen.
27 Zimmermann, Petra: Das Wunder jener Nacht: religiöse Interpretation autobio-graphischer Weihnachtserzählungen. Berlin 1992, S. 63.