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Roswitha Orač- Stipperger
ÖZV LVI/ 105
(...) Eine sehr sonderbare Wiege hab ich auch angefunden so eine aufge-hängte Schuttzwiege wen Sie mal Geld haben, die muß in das Museumkomen solche hab ich noch nie gesehn.(...) 26
Ein weiteres Objekt, das Josefa Gerharter ebenfalls dem Museumbeschaffen konnte, wurde erst durch die Recherche für diesen Aufsatzidentifiziert. Es handelt sich um die ehemalige Tür zur Rauchküche,einem der drei durch Geramb im Museum eingebauten Originalräu-me. Während die Rauchstube im Erdgeschoß des Museums und dierauchfreie Kachelstube im ersten Stock von einem Gehöft auf derPack 1914 ins Museum übertragen wurden und exakt dokumentiertsind, stammen die Einrichtungsgegenstände der Rauchküche ausunterschiedlicher Herkunft. Ebenso wie die Raumhülle von Rauch-stube und Kachelstube nicht als Inventarstücke sondern als Einbautenanzusehen sind, war man bislang der Meinung, dass auch die Türkon-struktion der Rauchküche als Bauelement zu sehen sei. Überraschendwar daher die Entdeckung, dass diese zweigeteilte Tür EnnstalerProvenienz ist und auch auf Vermittlung von Josefa Gerharter ange-kauft wurde. Da sie Geramb typologisch für dieses Raumensemblezugesagt haben dürfte, bildete die Ennstaler Tür über mehr als achtJahrzehnte den Zugang zur Rauchküche des Museums mit der ange-schlossenen weststeirischen Kachelstube.
In der Folge ,, bestellt“ Geramb 1916 bei Josefa Gerharter dieBettausstattung für sämtliche ausgestellten Betten im Museum, soauch für seine ,, Obersteirische Schlafstube", eine Objektzusammen-stellung, die dem Besucher stark authentischen Charakter suggerierthat, obwohl sie aus Möbelstücken unterschiedlicher regionaler Her-kunft gestaltet wurde.
Die Näherin fühlt sich sehr geehrt, dass sie die Beschaffung vonLeinwand für Bettzeug, die Herstellung der Strohsäcke und alleNäharbeiten übernehmen darf. Überhaupt erwähnt sie mehrfach, mitwelchem Stolz es sie erfülle, auf diese Art am Aufbau des Volkskun-demuseums mitwirken zu dürfen.
26 Undatierter Brief, vermutlich 1916. Das beschriebene Objekt, eine querschwin-gende Hängewiege, wurde mit 10.8.1917 unter Inv.-Nr. 2161 ins Inventar aufge-nommen. Die volkstümliche Bezeichnung ,, Schutzwiege" leitet sich vom ober-steirischen Mundartausdruck ,, schutzen“ für hin und her bewegen, schaukeln,ab. Vgl. dazu Unger, Theodor, Ferdinand Khull: Steirischer Wortschatz alsErgänzung zu Schmellers Bayerischem Wörterbuch. Graz 1903, S. 558.27 als Inv.-Nr. 9616.