2002, Heft 3+ 4„ Mit aller Hochachtung Ihre ergebene Josefa Gerharter"
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Gerharter sieht darin eine gewisse Konkurrenz zu ihrer Vermittler-tätigkeit.
Lobend erwähnt Geramb mehrfach die Genauigkeit bei der Beschrei-bung der einzelnen Stücke, so auch in seinem Schreiben vom 31.3.1914:
(...) Besonders dankbar bin ich Ihnen für die genaue Angabe der bäuer-lichen Benennungen der einzelnen Stücke.(...)
Aus der Reaktion von Josefa Gerharter auf einen Vorschlag vonGeramb, am Karfreitag des Jahres 1914 für Volksliedaufzeichnungennach Schladming zu kommen, können wir die typische konfessionelleSituation in und um Schladming sehr deutlich erfahren. Es amüsiertfast ein wenig, dass die einfache Störnäherin den gelehrten Volks-kundler in die Schranken weist und ihn an die Sitten und Bräucheihrer Heimat erinnert, wenn sie schreibt:
Geehrter Herr Dkt. Wie ich aus Ihren Schreiben entnahm wollen Sie zuOstern hieher komen(...) daß Sie vielleicht schon am Carfreitag komendürften, so muß ich eben berichten, daß daselm wohl beẞer wäre nochnicht, weil wir hier großentheils protestantische( lutherische) sind undda haben wir den feierlichsten und heiligsten Tag vom ganzen Jahr derstille Freitag, so ist mit die Leute hier nicht viel zu machen nicht viel los,geht alles beichten am Todestag unseres Herrn, deshalb wäre mit Singengar nichts.(...) 22
Nicht immer verläuft der Kontakt zwischen Josefa Gerharter undViktor Geramb reibungslos.
Bereits nach wenigen Monaten scheint Gerharter eine derartigeEigendynamik zu entwickeln, dass sie immer wieder Postsendungenungebeten an das Volkskundemuseum schickt. Auf ablehnende undungehaltene Antworten Gerambs hin pflegt sie entschuldigend unduntertänigst zu reagieren. Schnell stimmt sie den Museumsmanndamit wieder milde, die Spannungen sind beseitigt und nach wenigenWochen folgt meist schon wieder ein weiterer Brief mit Objektange-boten. Im Lauf der Jahre werden zwar die Hinweise auf eigenmäch-tige Lieferungen von Sammlungsstücken merklich weniger, auchGeramb scheint nicht mehr so streng in der Auswahl zu sein, da er bisdahin bereits genügend Beispiele für die Qualität der vermitteltenObjekte bekommen hat. Dafür sorgen unterschiedliche Preis- und22 Brief vom 2.4.1914.