Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde105 (2002) / N.S. 56Orač-Stipperger, Roswitha: „Mit aller Hochachtung Ihre ergebene Josefa Gerharter“

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Mit aller Hochachtung Ihre ergebene Josefa Gerharter“ : ein Briefwechsel als Quelle zur frühen Sammlungsgeschichte des Steirischen Volkskundemuseums
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2002, Heft 3+ 4,, Mit aller Hochachtung Ihre ergebene Josefa Gerharter"

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Vorgangsweise wohl auch einen Teil seines volksbildnerischen Auf-trages.

Der direkte Kontakt zur Bevölkerung, intensive Feldforschung undnicht zuletzt seine ausgedehnten Sammlungswanderungen prägtenauch seine wissenschaftliche Arbeit. Zur Ausgestaltung der Mu-seumsräume, der er die aktuelle Raumgeistidee des bayerischen Mu-seumsexperten Georg Hager³ zu Grunde legte, suchte Geramb nachKünstlern und Handwerkern, die mit Sensibilität und Hausverstandseine Konzepte umsetzen konnten.Ein glücklicher Zufall

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wie Geramb schreibt- hat ihn Anfang1914 die Bekanntschaft des jungen Malers Franz Winkler in Straßen-gel bei Judendorf, in der Nähe von Graz, finden lassen. Er beschreibtihn als einen, der im besten Sinne das ist ,,, was man zu Großväterzei-ten einen geschickten Bauernmaler nannte.4

Dieser Kontakt sollte in mehrerer Hinsicht besonders ergiebig fürdas junge Museum werden.

Franz Winkler( 1887-1945) war gebürtiger Grazer und hat sichüber das von ihm erlernte Malerhandwerk hinaus zu einem vielseiti-gen Maler und Restaurator weitergebildet. Er interessierte sich füralte Farbzusammensetzungen ebenso wie für überlieferte Maltechni-ken und war bald in der Lage, altes bäuerliches Mobiliar fachgerechtzu restaurieren oder aber auch neu geschaffene Objekte in alterMaltradition auszugestalten. Daneben beschäftigte er sich auch mitder Technik der Freskomalerei und erhielt unter anderem den Auftragzur Restaurierung spätgotischer Fresken im Grazer Dom. Der Künst-ler war auch bei der Innenausgestaltung zahlreicher Ratsstuben,Weinkeller und Schlösser beteiligt.

Im Volkskundemuseum war er maßgeblich an der dekorativenAusgestaltung der Schauräume und Vitrinen beteiligt.

Durch Heirat mit der Schladmingerin Cornelia( Nelli) Gerharterhielt sich Winkler häufig im oberen Ennstal auf und verfügte baldüber beste Ortskenntnisse in der Gegend.

3 Vgl. dazu Kundegraber, Maria: Viktor von Geramb an seine Nachfolger. EinBeitrag zur Geschichte des Steirischen Volkskundemuseums. In: Blätter fürHeimatkunde. Hg. vom Historischen Verein für Steiermark. Graz 1984, 58. Jg.,Heft 1, S. 7 f.

4 Im Bericht über die Volkskundliche Abteilung. Zur Geschichte der neuen Samm-lung in den Jahren 1914 und 1915. In: 103. und 104. Jahresbericht des Steier-märkischen Landesmuseums Joanneum über die Jahre 1914 und 1915. Hg. vomKuratorium. Graz 1916, S. 90.