Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde105 (2002) / N.S. 56Grieshofer, Franz: Jenseitsvorstellung einer Scheintoten aus Kitzeck

  
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Jenseitsvorstellung einer Scheintoten aus Kitzeck
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2002, Heft 3+ 4 Jenseitsvorstellung einer Scheintoten aus Kitzeck

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mit der Schlange und darunter Adam und Eva. Vom Himmel fallenStrahlen auf das Paradies. Anschließend an ,, das vom Himmel er-leuchtete Paradies" befindet sich das Fegefeuer. Es weist, wie dieHölle, ebenfalls ein rundes gemauertes Steinfundament auf und dazuein eisernes Gitter, hinter dem in den lodernden Flammen die zumHimmel flehenden Armen Seelen zu sehen sind. Darüber schwebt aufeinem Strahlenbündel der ,, H. Laurenzius", der unschwer an seinemAttribut, dem Feuerrost, erkennbar ist. Er zieht gerade eine ArmeSeele mit seinem Arm empor. ,, Der H. Laurenzius kommt, wie zulesen ist ,,, alle Freitag und erlöst eine Seele aus dem Fegefeuer, diezu ihm in frühen Leben beten. Durch ein in das Gitter eingelassenesTor führt über Stufen der ,, Weg aus dem Fegefeuer" empor. Undtatsächlich sieht man eine Gruppe von Engeln, wie sie eine weißgekleidete Seele auf dem von der Dornenkrone begrenzten Weg nachoben geleiten. Die voranschreitenden Engel blasen auf Posaunen, dieanderen tragen Kerzen und Rosen. Die Seele aber ruft: O wiefröhlich kann ich mit den Engeln singen, weil sie mich schon zumHimmel bringen, Alleluja." Eine weitere Gruppe schreitet geradedurch ein gotisches Tor, das auf eine Art trapezförmige Bühne führt.Laut Inschrift handelt es sich dabei um den ,, Vorhimmel. Der spitzzulaufende Vorhimmel wird von gerafften Vorhängen mit Kordelneingesäumt und von einem großen, reich geschmückten Tor mit einemebenso gerafften Vorhang abgeschlossen. Im Tor steht der Hl. Petrusin Erwartung der Seelen, die von Engeln herangebracht werden. Aufdem Platz vor dem Tor befindet sich außerdem noch ein rechteckigerKorb mit Steinen. Darüber steht das hebräische Wort ,, Armagedon".Durch das große Tor gelangt man vom Vorhimmel in ein fest gefügtes,reich verziertes, mit Edelsteinen besetztes Haus, das einem Palastbeziehungsweise einer Festung gleicht. Dieses Haus, das die obereHälfte des Blattes ausfüllt, steht als Metapher für den Himmel. Esbesteht aus drei Stockwerken und vier Ecktürmen mit Zwiebeldä-chern, auf denen strahlende Perlen sitzen. Dem Erdgeschoß ist eineBalustrade vorgelagert, die an einer Stelle unterbrochen ist, da sichhier eine Kanzel befindet. Vom rechten Rundbogenfenster gehenStrahlen zum Paradies aus. Im zweiten Stockwerk sieht man zwischenspitzbogigen Fenstern vier engelhafte Wesen mit dem Kopf einesLöwen, eines Jünglings, eines Adlers und eines Stieres. Auch ohnedie darüber angebrachten Namen lassen sich diese Gestalten un-schwer als die Symbole der vier Evangelisten Markus, Matthäus,