Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das „Petrinerkreuz“ : ein sichtbares Zeichen kirchlicher Missionierung als Ausdruck gegenreformatorischer Glaubensmanifestation im Ostalpenraum
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2002, Heft 3+ 4

Das ,, Petrinerkreuz"

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d'Aviano gehört die immer wiederkehrende Darstellung, die denPrediger mit einem Kreuz in der erhobenen rechten Hand zeigt. DieDarstellung geht auf eine Episode zurück, in der erzählt wird, wie derPater während der Entsatzschlacht um Wien 1683 mit einem Kreuzin der Hand von einem Hügel aus die Soldaten anfeuerte. DiesesKreuz, das einstmals mit 16 Reliquien versehen war

das Originalist auf einem Seitenaltar des Domes von Kotor( Cattaro) ausgestellt,eine Kopie befindet sich im Kapuzinerkloster zu Wien- hatte also imLeben des Predigers Markus von Aviano eine besondere Bedeutungerlangt. Er hatte es nicht nur bei seinen Predigten in der Hand, sondernauch an jenem 12. September 1683, an dem es zur entscheidendenTürkenschlacht um Wien kam. Zeugen und Dokumente berichtendarüber in vollkommener Übereinstimmung, wie etwa ein italieni-scher Mitstreiter des Predigers: ,, Il padre Marco d'Aviano e venutoal soccorso alla testa dell'armata con Crociffisso in mano( PaterMarkus ist zu Hilfe gekommen, mit dem Kruzifix in der Hand stellteer sich an die Spitze des Heeres). Und weiter wird berichtet ,,, daẞMarkus während der Schlacht überall, wo die Gefahr am größten war,von einem Orte zum anderen mit dem erhobenen Kruzifix geeilt, teilsdie christlichen Streiter segnend, teils das heiligste Zeichen derErlösung gegen die Feinde wie zur Abwehr ausstreckend und hiebeidie Worte der heiligen Kirche rufend, die sie gegen alle Anschlägedes bösen Feindes als Palladium gebraucht: ,, Ecce Crucem Domine,fugite partes adversae"( Sehet das Kreuz des Herrn, fliehet ihr feind-lichen Mächte) 35( Abb. 4).

Besonders in der Pietas Austriaca gehörte das Kreuz zu den,, Grundfesten und seine Verehrung war eine Familientradition derHabsburger, hatte aber vor allem auch eine politische Dimension, daman das Kreuz als Siegeszeichen im Glaubenskampf gegen die Hä-resie und den Halbmond auffaẞte.36

35 Ludwig, Vinzens Oskar: Marcus von Aviano. Der Retter Europas. Wien 1935.S. 91 f. Hier wird nur der erste Teil des sog. Antoniussegens verwendet, der inseiner Fortsetzung einen von der Apokalypse abhängigen Wettersegen darstellt.Er kommt bereits erstmals in einer Tegernseer Handschrift des 11. Jahrhundertsvor. In den alten, mit kirchlichen Segensformeln angereicherten magischenZauberbüchlein wird der Antoniussegen als Benedictio S. Antonii dem PaduanerHeiligen zugeschrieben, obwohl es sich um eine viel ältere liturgische Formelhandelt. Vgl. Münsterer, H. O.: Amulettkreuze und Kreuzamulette. Regensburg1983, S. 86 und 187.

36 Wodka, Josef: Kirche in Österreich. Wegweiser durch die Geschichte. Wien 1959,