Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das „Petrinerkreuz“ : ein sichtbares Zeichen kirchlicher Missionierung als Ausdruck gegenreformatorischer Glaubensmanifestation im Ostalpenraum
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2002, Heft 3+ 4

Das ,, Petrinerkreuz"

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Neapel, 1839 heiliggesprochen, erlebte es, als er 1723 bei den Laza-risten in Neapel die für seinen Lebensweg entscheidenden Exercitienmitmachte, daß der Prediger von der Kanzel aus ein Kreuzigungs-gemälde vorzeigte, welches Brandspuren von Frauenhänden trug. Ererklärte diese als Mahnzeichen einer in schwerer Schuld verstorbenenDame, die ihrem noch lebenden Sündengefährten erschienen sei undihn durch das Vorzeigen dieses Brandmales vor der Hölle gewarntund zur Buẞe gerufen habe." Alphons hat später als Priester derartigkrasse Predigtmethoden nicht gutgeheißen. An die Volksmissionareder von ihm im Jahre 1732 gegründeten ,, Kongregation vom allerhei-ligsten Erlöser( Redemptoristen) erließ er im Jahre 1744 eine An-weisung zur Mäßigung: ,, Betreffs der Funktion wird verboten, Ver-wünschungen auszusprechen, Ketten oder andere zur blutigen Geiẞe-lung gezeigten Instrumente zu gebrauchen, mit der Fackel sich zubrennen, und dergleichen. Das Benützen des Strickes oder des Toten-kopfes kann vom Superior ein paar Mal gestattet werden, sofern esmit Geist, Klugheit und Besonnenheit geschieht." 30 Überhaupt erwiessich Alphons insbesondere dem Rigorismus der Jansenisten³¹ ge-genüber als ein Mann der Ausgewogenheit und als ein Verkündernicht so sehr der Strenge Gottes als vielmehr der Barmherzigkeit desgekreuzigten Erlösers. In dieser Richtung hat er auch durch dieAbfassung einer volkstümlichen Kreuzwegandacht die Frömmigkeitdes Volkes im 18. Jahrhundert weit über Italien hinaus beeinflußt. 32Als Missionsprediger wird er daher oft im schwarzen Ordensgewandmit einem Kreuz, einer Schreibfeder oder einem Rosenkranz in derHand bildlich dargestellt.

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Gewisse Zeiten, vor allem jene der Gegenreformation und derGlaubenskämpfe, deuten darauf hin, daß drastisch barocke Predigt-weisen, zumal bei Volksmissionen der Jesuiten, gelegentlich ange-

29 Dudel, E.: Anwalt Gottes und der Menschen. Bonn 1963, S. 31 f.30 Ebd., S. 101.

31 Der Jansenismus ist eine Bewegung innerhalb des Katholizismus, die ausgehendvon einer überzeitlich- theologischen Fragestellung die theologische Auseinan-dersetzung des 17. und 18. Jahrhunderts prägte und dabei mit anderen Bereichenin Berührung kam. Sie entzündete sich an dem Hauptwerk des TheologenCornelius M. Jansenius d.J.( 1638) über Augustinus, das allerdings erst nachseinem Tod herausgegeben wurde und zu heftigen Auseinandersetzungen in derkatholischen Kirche führte. Vgl. dazu: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 5, 3.völlig neu bearb. Auflage. Freiburg i.Br., Basel, Rom, Wien 1996, Sp. 739-745,32 Wagner, Georg: Barockzeitlicher Passionskult in Westfalen. Münster 1967, S. 93.