2002, Heft 3+ 4
Das ,, Petrinerkreuz"
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Unter Bischof Leopold III., Graf Firmian, wurde in Graz einPriesterhaus gegründet, das den ähnlichen Zweck erfüllen sollte, wiedie erwähnten„, Petriner- Häuser" in Bayern, die von Philipp FranzLindmayr dort in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründet wur-den. Die Anregung für die Gründung ging von Kaiserin Maria The-resia aus. Zweck der Gründung des Priesterhauses war es, jungenPriestern nach Beendigung der theologischen Studien Gelegenheit zubieten, sich hier einige Jahre auf die praktische Seelsorge vorzube-reiten und unter der Anleitung eines erfahrenen älteren Priesters einasketisches Leben zu führen.20
Nach diesem Exkurs über die Bekämpfung des Geheimprotestan-tismus und der von der katholischen Kirche angewendeten Mittel, zudenen natürlich auch die von der Kanzel sicherlich oft wortgewalti-gen Predigten dieser Missionare gehörten, zurück zu jenem im Ba-rock des späten 18. Jahrhunderts an den Kanzelbrüstungen ange-brachten Arm mit dem Kruzifix, für den die- vermutlich wohl nur inVolkskreisen verwendete Bezeichnung„, Petrinerkreuz" Verbrei-tung fand. In den Archivalien allerdings läßt sich dieser Name fürsolche Kanzelkruzifixe nicht verifizieren. Die Bezeichnung scheintvielmehr ausschließlich im ostalpinen Raum, und hier besonders imsteirischen Ennstal und in manchen anderen steirischen Landesteilen,in Salzburg, Kärnten, aber auch in der historischen Untersteiermark²,wohl auch in Krain, in Volkskreisen geläufig gewesen zu sein. Eshandelte sich dabei also um Kanzelkruzifixe in den katholischenKirchen, die als ein Zeichen der Verkündigung die Predigt mit demHinweis auf den Kreuzestod Christi verstärken und diesen den Gläu-bigen besonders eindringlich vor Augen führen sollten. Dies ist vonumso größerer Bedeutung und für die Einführung solcher Kanzelkru-zifixe entscheidend, da an katholischen Kanzeln in früheren Zeitender Gekreuzigte nie in das ikonographische Programm integriertwurde. An den protestantischen Kanzeln hingegen wurde dem Kru-zifix bzw. der Kreuzigungsszene meist ein hervorragender Platz ein-
20 Klamminger( wie Anm. 16), S. 343–352.
21 In der historischen Untersteiermark scheint sich die Bezeichnung ,, Petriner-kreuz" ebenfalls lange gehalten zu haben. Sie wurde mir von meiner einstigenHörerin, Frau Mag. I. Schuster, ehemals Religionslehrerin in Graz, bestätigt, dieauf gemeinsamen Fahrten mit Religionslehrern in der ehemaligen Untersteier-mark von einem slowenischen Pfarrer diese Bezeichnung gehört, der ausdrück-lich auf solche Missionskreuze der Prediger hingewiesen hatte.