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Elfriede Grabner
ÖZV LVI/ 105
heute bei Kunsthistorikern und Theologen nicht mehr geläufig. Wohlwerden sie in- vor allem älteren- Kunsttopographien und kunsthi-storischen Arbeiten als ,, Missionskreuz“ ,,, Predigerhand mit Kruzi-fix" ,,, Missionsarm mit Kruzifix" ,,, Holzarm mit Kruzifix“ ,,, Prie-sterarm mit Kruzifix“,„ Predigerkruzifix" teilweise zur Kenntnisgenommen, jedoch wird weder ihre Herkunft noch ihre Kultgeschich-te näher erklärt. Der Name ,, Petrinerkreuz“ ist sowohl in der kunst-historischen wie auch in der kirchenhistorischen Literatur unbekannt.Ich habe ihn jedoch schon früh als Studentin an der Universität vonmeinem Lehrer Leopold Kretzenbacher, der in Vorlesungen und Ex-kursionen immer auf solche Kruzifixe mit dem Predigerarm an denKanzelbrüstungen hinwies, vernommen.' Solche Kanzelkruzifixewurden auch m.W. nie wissenschaftlich erfaßt und bearbeitet.²
Auch über die sog.„ Petriner" gibt es oft nur sehr ungenaueErklärungen. So etwa jene, die sie als ,, Mitglieder einer SalzburgerOrdensgemeinschaft“ bezeichnet, die als Missionare im oberen Enns-tal eingesetzt wurden.³ Es handelt sich aber, wie nachfolgend aufge-zeigt werden soll, bei den Petrinern um keine Ordensleute, sondernum Weltpriester.
Die heute nicht mehr verwendete Bezeichnung ,, Petriner“ läßtsich jedoch schon aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts belegen.1726 hat der Salzburger Weltpriester Martin Weißbacher ,,, Vicariusbey Unser Lieben Frauen Wallfahrt in der Alm"- heute Maria Almbei Saalfelden-, ein zweibändiges„ Heiliges Petriner Jahr“ vor-
1 Im oberen Ennstal ist die Bezeichnung ,, Petrinerkreuz" auch heute noch teilweisegeläufig. Vgl. Stipperger, W.: Zeugnisse der Zeitgeschichte in den Kirchen desoberen Ennstales. In: Da schau her. Beiträge aus dem Kulturleben des BezirkesLiezen, 14/4, 1993, S. 12.
2 So wird etwa in einer einschlägigen kunsthistorischen Arbeit über die Entwick-lung der Kanzel in der Steiermark im 18. Jahrhundert auf diese Kanzelkruzifixeüberhaupt nicht eingegangen, obwohl im Bildteil auf einigen Fotos diese eindeu-tig zu erkennen sind. So z.B. jene in den Pfarrkirchen von Unzmarkt, St. Nikolaiin der Inneren Sölk, Assach, Mureck, Ranten, Bad Aussee oder in der Piari-stenkirche in Gleisdorf. Vgl. Schweigert, Horst: Die Entwicklung der barockenKanzel in der Steiermark. Ungedruckte Dissertation. Graz 1971, Bildband. Ders.:Die Entwicklung der Kanzel des 18. Jahrhunderts in der Steiermark. In: Jahrbuchdes kunsthistorischen Institutes der Universität Graz. 1973.
3 Wie Anm. 1, S. 12.
4 So etwa führt die 3. völlig neu bearbeitete Auflage des Lexikons für Theologieund Kirche. Freiburg, Basel, Rom, Wien 1999, diese Bezeichnung überhauptnicht mehr.