Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das „Petrinerkreuz“ : ein sichtbares Zeichen kirchlicher Missionierung als Ausdruck gegenreformatorischer Glaubensmanifestation im Ostalpenraum
Seite
315
Einzelbild herunterladen
 

Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVI/ 105, Wien 2002, 315-333

Das ,, Petrinerkreuz"

Ein sichtbares Zeichen kirchlicher Missionierung als Ausdruckgegenreformatorischer Glaubensmanifestation im Ostalpenraum

Elfriede Grabner

Noch heute kann man in einigen Kirchen des Ostalpenraumesan den Kanzelbrüstungen die sogenannten ,, Petrinerkreuze",bekleidete Holzarme, die ein Kruzifix halten, erkennen. Eshandelt sich dabei um Missionskreuze des 18. Jahrhunderts,die als sichtbare Kultzeichen in den Nachklängen der Gegen-reformation und der Missionierung des wiederaufflammen-den Geheimprotestantismus an den Kanzeln mancher ba-rocker Gotteshäuser angebracht wurden. Sie sind lange ZeitObjekte der Volksfrömmigkeit im religiösen Alltagsleben ge-

blieben.

Vielfach kann man noch heute, wenn man als aufmerksamer Besucherbarocke Kirchenräume in unserem Ostalpenraum betritt, an den Brü-stungen so mancher Kanzel einen ausgestreckten, bekleideten Armerkennen, der in der Hand ein Kruzifix hält. Es ist dies ein sichtbaresZeichen gegenreformatorischer Maßnahmen des 18. Jahrhunderts,für das, vor allem im oberen Ennstal, noch der Name ,, Petrinerkreuz"geläufig ist. Diese eigenartigen Kultzeichen stammen fast alle aus der2. Hälfte des 18. Jahrhunderts und können als Ausdruck gegenrefor-matorischer Glaubensmanifestation gewertet werden, mit denen ei-gens eingesetzte Missionare durch Predigten den um diese Zeit sichstark ausbreitenden Geheimprotestantismus entgegentreten sollten,um ,, glaubensverdächtige Personen" zur Rückkehr in die katholischeKirche zu bewegen. Nach solchen Missionspredigten heftete mandann den Arm mit dem Kruzifix, der oft eine ordenshabitähnlicheUmkleidung trug, an die Kanzelbrüstung jener Kirchen, in denen dievon der Kaiserin Maria Theresia( 1740–1780) ins Leben gerufenen,großangelegten Bekehrungsaktionen, wie sie etwa auch im oberenEnnstal durchgeführt wurden, stattfanden( Abb. 1 und 2).

Der Name ,, Petrinerkreuz" die Kanzelkruzifixe wurden bei denmeisten neuzeitlichen Restaurierungsarbeiten vielfach entfernt- ist