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Helge Gerndt
ÖZV LVI/ 105
tor Daschle einen mit Milzbrand infizierten Brief erhalten hatte,wurden 31 seiner Mitarbeiter( später auf 28 verbessert) positiv aufAnthrax- Erreger getestet. Jeden Tag fand man nun auf der ganzenWelt irgendwo verdächtiges Pulver, z.B. in der Münchner U- Bahn,die gesperrt werden mußte, oder im Berliner Kanzleramt, was jeweilsGroßeinsätze der Polizei erforderte. Am 12. Tag wurde in Washingtonein Teil des Kapitols, am 13. vorsorglich das Repräsentantenhausgeschlossen, und die US- Post versandte 135 Millionen Warn- Schrei-ben an ihre Kunden. Primär- und Sekundärereignisse waren kaummehr zu trennen. Nach knapp 14 Tagen summierte ein dreispaltigerKommentar: ,, Die Liste der Bioterror- Opfer ergibt ein klares Muster.Erst traf es den Verlag American Media Incorporated in Boca Raton,Florida, der Klatschpostillen wie... Sun herausgibt. Dann folgten derFernsehsender NBC und die New York Times. Vermeintliche Anschlä-ge auf ein Filmstudio der Sony Pictures, ein Microsoft- Büro sowiedie Provinzzeitungen Kansas Star und Columbus Dispatch wurdenbestätigt. Und als der Fernsehsender ABC am Montagabend... ver-kündete, der kleine Sohn eines Mitarbeiters sei an Milzbrand er-krankt, schien es keine Zweifel mehr zu geben- die Medienwelt istZielscheibe des Terrors. Doch es ist kaum anzunehmen, daß alleBio- Anschläge aus dem selben Lager kamen."
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Am 14. Tag erschien die Karikatur eines rasenden ,, Milzbrand-brief- Express"-Busses, an dem geisterhafte Trittbrettfahrer hingen( Abb. 1). Die Dramatik nahm zu. Am 18. Tag waren ,, InfiziertePostsortierer in Lebensgefahr“, am 19. ,, zwei amerikanische Postbo-ten gestorben“ und der 20. Tag brachte eine sechsspaltige, mit Brief-Faksimiles bebilderte Reportage unter dem Titel ,, Der Tod kommt mitder Post ins Haus“, Untertitel:„ Postbedienstete arbeiten mit Mund-schutz und Handschuhen- wie die Angst vor dem giftigen Pulver denAlltag in den USA verändert“. Abgedruckt wurde u.a. ein Brieftext,, This is next. Take penicillin now. Death to America. Death to Israel.Allah is great." Als einen Tag später ,, Milzbrand in der Poststelle desState Department“ gemeldet wurde, endete die Nachricht folgender-maßen: ,, Der muslimische Extremist Osama bin Laden bestellte nachAngaben eines Vertrauten vor etwa drei Jahren per PostversandMilzbranderreger.“ Er habe die Erreger mit Hilfe indonesischer Mus-limrebellen gekauft und sich in Osteuropa auch Kolibakterien undSalmonellen beschafft. Wieder drei Tage später wurden ,, Spuren vonMilzbrand auch bei der CIA“ gemeldet, und in einem Kommentar