Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Der Sehnsuchtsschrei nach Freiheit“ : Erich Nachtmanns Erinnerungen an Albanien
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Helmut Eberhart

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reichlich Wärme. An einem Berghange bezogen wir Lager, die was-sertriefende Last der Tragtiere lag ausgebreitet am Boden und dieletzten Vorräte brodelten im Kessel. Nachdem für das leibliche Wohlder Mannschaft und Pferde gesorgt war, erging sich fast Alles in einenwohlverdienten, tiefen Schlaf. Ich begab mich mit einigen kräftigen,zähen Bosniaken auf die Suche nach Albanern, denen wir noch nichtbegegnet waren, um Gewißheit über die weiteren Wegverhältnisse zubekommen; denn die Karten waren gänzlich unverläßlich. Bald er-klommen wir ein Wohnhaus ,, skutscha", 28 das hoch am Berge lag. Bisan die Zähne bewaffnet, stand vor diesem ein graubärtiger Albaner,( Seite 3:) der nicht gerade einladend aussah und uns auch nicht soempfangen hat. Sein Haupthaar hing in langen Strähnen bis an dieSchultern herab und aus seinem tiefgebräunten Gesicht blickten unsfast zornfunkelnde Augen entgegen. Wir waren wohl die ersten Öster-reicher, die er zu Gesicht bekam. Seine Kleidung bestand aus einergrobleinenen Hose, die manschettenartig am Fuße auslief. Der Ober-körper war mit einem starken Wams bedeckt und mit schweren Kettengeziert. In seinem Munitionsgürtel steckten eine Unmenge Patro-

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italienischer Provenienz. Die Kopfbedeckung fehlte, die Fuß-bekleidung waren Opanken. Auf sein Gewehr stützend wiegte er sichunaufhörlich hin und her. Eine Verständigung mit dem Manne warunmöglich, trotzdem er seine Sprache mit allmöglichen Gebärden zuunterstützen suchte. So zogen wir denn wieder talabwärts, nachdemwir uns gegenseitig mit Tabak und Zigaretten beschenkt hatten. UnserErfolg bestand nur darin, daß der edle Skipetar vielleicht einsah, daßsein gegen uns gehegtes Mißtrauen unnötig war.

Die ,, skutscha" lag an einem herrlichen Punkt. Man sah den Taba-rosch 30, auf dem Sonnenstrahlen auf und ab kletterten, einen Weg, der28 Nachtmann überträgt hier das serbische und kroatische Wort ,, kuća( Haus) infalscher Schreibweise auf Albanien. Im Albanischen gibt es nur einen ähnlichklingenden Begriff für eine einfache halb in die Erde versenkte und nur temporärbewohnte Hütte: ,, Kaćor( vgl. dazu Nopcsa, Franz: Albanien. Bauten, Trachtenund Geräte Nordalbaniens. Berlin- Leipzig 1925, S. 8). Dieser Typ hat auch imsüdslawischen Raum seine Entsprechung und wird dort ,, Kačara genannt.29 Obwohl die Beschreibung ein wenig nach Karl May klingt und der stereotypenVorstellung der Malësoren( Bergbewohner) Nordalbaniens entspricht, hat siesicher reale Bezüge, wie auch Ansichtskarten und Fotos in zeitgenössischenPublikationen bestätigen. Insbesondere die von österreichischen Soldaten in dieHeimat geschickten Ansichtskarten haben dazu beigetragen, das Bild des ,, bis andie Zähne" bewaffneten Albaners zu verstärken.

30 Eigentlich ,, Taraboš. Der Taraboš liegt am Südwestufer des Skutarisees( heute: