Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Der Sehnsuchtsschrei nach Freiheit“ : Erich Nachtmanns Erinnerungen an Albanien
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Helmut Eberhart

ÖZV LVI/ 105

Viele, die durch das neidische Geschick ihren Kriegsdienst in demallgemein als unwirtlich bekannten Lande versehen mussten, erin-nern sich noch oft an ihr schweres Leben in Albanien. Glücklichschätzten sich nur diejenigen, welche keine Malaria oder andereheimtückische Krankheiten von dort nach Hause brachten.25 Es sindgewiß nur wenige, doch die erzählen wohl heute noch gern von ihrenErlebnissen, von der Eigenart des Landes und des Volkes. Es war wohlAbenteuergeist, nicht zuletzt auch eine gute physische Körperbe-schaffenheit, sowie Interesse für die Natur notwendig, auch guteEindrücke aufzunehmen.

In diese Kategorie von Menschen gehörte auch ich glücklicherwei-se. In 3 Jahren meines dortigen Aufenthaltes durchquerte ich Alba-blik, Heft 29 vom Dezember 1963, S. 265-270, hier: S. 268. Bei Louis undLöffler finden sich keine genaueren Hinweise auf den Zeitpunkt des Bebens. DieSuche in der Tagespresse ist hier zielführender. Am 12. Dezember 1920 widmenetwa die beiden steirischen Tageszeitungen ,, Kleine Zeitung und, Tagespost"unter Berufung auf einen Korrespondentenbericht diesem Ereignis eine gleich-lautende Meldung: ,, Ein heftiges Erdbeben hat sämtliche Dörfer im BezirkeTepeleni zerstört. Die Stadt Tepeleni selbst ist dem Erdboden gleichgemacht.Mehr als 200 Personen sind ums Leben gekommen, 15.000 sind ohne Obdach.Die Erdstöße dauern an."( Kleine Zeitung: S. 4; Tagespost: S. 3) Die KleineZeitung beruft sich zusätzlich auf eine Meldung vom Vortag, also 11. Dezember,in der italienischen Presse. Die Erdstöße müssen also in den Tagen unmittelbardavor erfolgt sein. Wie Louis berichtet, hatte Tepelenë vor dem Beben 5000Einwohner, danach nur mehr 190!( vgl. S. 86)

25 Insbesondere die Malaria machte den Truppen im Ersten Weltkrieg schwer zuschaffen. In den historischen Studien über den Weltkrieg wird mehrfach vongroßen Ausfällen durch Malaria berichtet. Vgl. dazu beispielsweise: Veith( wieAnm. 4), S. 553: ,,... und nach der üblichen Inkubationsfrist von 2-3 Wochenbrach die Seuche lawinenartig los. Von den Abgängen des Monates Juli entfielenauf Gefechtsverluste etwa 3900, auf Erkrankungen 2600 Mann; im Augustbetrugen erstere wenig über 2000, letztere 18000!"; vgl. weiters: Glaise- Horsten-au( wie Anm. 8), S. 66; auch andere Autoren berichten immer wieder von derMalaria in Albanien, die gerade in diesem Land mit seinen ausgedehnten Sumpf-landschaften besonders verbreitet war: ,, Ein Schreckgespenst für unsereins isthier die Malaria."( Wallisch[ wie Anm. 21], S. 78).

26 Der Aufenthalt Nachtmanns dauerte von Februar 1916 bis längstens Oktober/ No-vember 1918. Während der Beginn seines Albanienaufenthaltes annäherungs-weise aus seinen Aufzeichnungen abzuleiten ist, kann aufgrund seines Wehrpas-ses aus dem Zweiten Weltkrieg geschlossen werden, dass er vermutlich bis etwaAllerheiligen 1918 in Albanien blieb. Im Wehrpass ist als Datum seines Ausschei-dens aus der Armee der 10. November 1918 angegeben. Die letzten Truppenteileverließen am 25. November 1918 Ragusa(= Dubrovnik); damit war der Feldzuggegen Albanien zu Ende; vgl. dazu Veith( wie Anm. 4), S. 558.