Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Der Sehnsuchtsschrei nach Freiheit“ : Erich Nachtmanns Erinnerungen an Albanien
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Helmut Eberhart

ÖZV LVI/ 105

Erinnerungen an Albanien

Erich Nachtmann

Das Interesse für Albanien ist seit den Umsturztagen schon öfter indem Vordergrund gestanden. Ich erinnere mich an die Streitigkeitender Albanesen mit den Jugoslawen und Italienern, die auch ihreRechtsansprüche auf Albanien ausdehnten, 20 an den politischenMord, begangen an dem einstmaligen frevelhaften Machthaber vonAlbanien, Essad Pascha, 21 der kurz vor Ausbruch des Krieges den

20 Nachtmann bezieht sich auf die Auseinandersetzungen unmittelbar nach Kriegs-ende. Nach dem Abzug der österreichisch- ungarischen Truppen hatten jugosla-wische Einheiten Albanien besetzt und versuchten, vollendete Tatsachen zuschaffen. Jugoslawien stritt dabei mit Italien und Griechenland um die Vor-herrschaft über Albanien und wollte ein unabhängiges Albanien vermeiden.Schon am 29. Juli 1919 hatten Griechenland und Italien die Abtretung desNordepirus( Südalbanien) an Griechenland und die Errichtung eines italienischenProtektorates über Restalbanien vereinbart. Vgl. dazu: Schmidt- Neke, Michael:Geschichtliche Grundlagen. In: Grothusen, Klaus- Detlev( Hg.): Albanien( Süd-osteuropa- Handbuch VII). Göttingen 1993, S. 26-56, hier: S. 37. Diese Aus-einandersetzungen bedeuteten im Grunde die Fortsetzung der Streitigkeitenzwischen 1912 und 1914. Albanien hatte sich nach dem Ende der osmanischenHerrschaft über die Balkanhalbinsel am 28.11.1912 für unabhängig erklärt undwar somit erstmals in seiner Geschichte ein zumindest formal- souveränerStaat. Serbien, Montenegro, Griechenland und auch Italien wollten diese Unab-hängigkeit verhindern und setzten sich entweder für eine Aufteilung oder für einProtektorat( Italien) ein( vgl. Schmidt- Neke[ wie Anm. 20], S. 34 f.); vgl. dazuauch Anm. 55.

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21 Esat Pasha Toptani( in der zeitgenössischen deutschen Literatur meist EssadPascha) war einer der schillerndsten Politiker der Frühzeit Albaniens als eigenerStaat. Sultan Abdul Hamid ließ seinen Bruder Gani Bey Toptani ermorden undunterstützte gleichsam als Ausgleich und um ihn ruhig zu halten- den BruderEsat, der mit 30 Jahren schon Polizeichef von Joannina war und den Titel Paschatrug( vgl. Busch- Zantner[ wie Anm. 5], S. 198). Esat Pasha versuchte schon einknappes Jahr nach der Unabhängigkeitserklärung im Oktober 1913 eine Gegen-regierung zu bilden und die Macht an sich zu reißen( vgl. Schmidt- Neke[ wieAnm. 20], S. 35). Albanien wurde aber auch auf seinem Weg zur Selbstbestim-mung noch fremdbestimmt und so einigten sich Rom und Wien auf VorschlagRumäniens, dem Neffen der rumänischen Königin Elisabeth, dem deutschenPrinzen Wilhelm zu Wied die Fürstenkrone Albaniens anzubieten( Schmidt- Neke[ wie Anm. 20], S. 36). Esat Pasha schwenkte daraufhin um und war selbst Leiterjener Delegation, die noch im Herbst 1913 dem deutschen Prinzen das Fürsten-tum antrug. Esat Pasha intrigierte jedoch auch gegen Wied, in dessen Kabinetter Kriegs- und Innenminister war. Als er im Sommer 1914 einen missglücktenAufstand gegen Wied anzettelte, musste er nach Italien fliehen und ging an