Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Der Sehnsuchtsschrei nach Freiheit“ : Erich Nachtmanns Erinnerungen an Albanien
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Helmut Eberhart

ÖZV LVI/ 105

Presse berichtete damals regelmäßig über die mehrere Wochen dau-ernde Konferenz des Völkerbundes in Genf.) Vermutlich bezog ersich mit seiner Formulierung: Bald wird Albanien von dem jahre-langen fremden Joch befreit sein!"( Manuskript S. 11) gerade aufdiesen internationalen Akt( siehe Kommentar zur Edition). Die ange-führten Fakten und Interpretationen lassen es zu, das Manuskripteinigermaßen genau zu datieren: Der vorliegende Bericht wird frü-hestens zur Jahreswende 1920/21 wahrscheinlich aber erst im Jänner1921 geschrieben worden sein. Das nachträglich eingefügte Datumist somit als Entstehungsdatum nicht auszuschließen.

Nachtmann hatte sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht,eigens für seinen Bericht zu recherchieren. Der Text ist aus derErinnerung geschrieben und spontan entstanden. Dementsprechendsind Fehler und ungenaue Angaben häufig, wenn es sich um konkreteAussagen handelt: Zum Beispiel sind Ortsangaben oft ungenau oderfalsch wiedergegeben. Was macht aber diesen Text dennoch für dieheutige Forschung interessant? Der Bericht des jungen Offiziers zeigtsehr deutlich, was an kurzfristig abrufbaren Erinnerungen von einemEreignis bleibt, das sicher prägend für das weitere Leben war. DieAussagen zu Kultur und Lebensweise der Albaner bleiben sehr oft instereotypen Vorstellungen verhaftet und vermitteln bzw. verstärkenjenes Bild des ,, wilden, rauen Landes mit seinen ebenso rauen undkriegerischen Menschen, das bis heute unsere Vorstellungen vonAlbanien prägt. Es handelt sich außerdem um einen der wenigenbekannten Berichte über die Teilnahme am Albanienfeldzug im Er-sten Weltkrieg und somit um einen Mosaikstein zur Beschreibungdieser welthistorischen Marginalie aus der Sicht ,, von unten. Viel-leicht könnte die gezielte Suche in Archiven und privaten Nachlässennoch weiteres Material zutage fördern und so ein wenn auch kritischzu analysierendes- Bild dieser Region zu Beginn des letzten Jahr-hunderts ergeben, das nicht von Gelehrten oder Literaten entworfenwurde. Mit Einschränkung kämen dafür auch die zahlreichen An-sichtskarten in Betracht, die von Soldaten zwischen 1916 und 1918nach Hause geschickt wurden. 18

18 Es ist natürlich zu berücksichtigen, dass die Postkarten der Militärzensur unter-lagen; von Nachtmann liegt nur eine Karte an seine Eltern in seinem Nachlass,die das Aufgabedatum 13.VIII.1918 trägt und auf der Bildseite eine Ansicht vonShkodër zeigt. Nachtmann berichtet kurz von seiner Reise nach Albanien nacheinem Heimaturlaub. Er berichtet aber auch von einem Konzertbesuch während