Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde105 (2002) / N.S. 56Kretzenbacher, Leopold: Altsteirisches Rühmen Mariens als Helferin in verzweifelten Lebenslagen und Todesnähe

  
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Altsteirisches Rühmen Mariens als Helferin in verzweifelten Lebenslagen und Todesnähe
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2002, Heft 3+ 4

Altsteirisches Rühmen Mariens als Helferin

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unserem steirischen Barockfresko nicht, wie sonst so oft, ja meistens,der ,, Schöpfer und Richter Gott- Vater". Hier ist es Mariens ,, Sohn"Jesus Christus. Er schwebt, halbnackt, nur von einem weißen Linnenund einem weit wallenden roten ,, Manteltuch teilverhüllt, über demRund der Weltkugel mit dem Bilde einer grünen Berge- Landschaft,in der Burgen zu erkennen sind. Deutlich sind Christi Wundmalesichtbar. Seine Linke berührt ein nur zum Teil, aber mit den Fuẞna-gellöchern sichtbares- Holzkreuz. Es wird ihm von zwei auf Wolkenstehenden Engeln entgegen gehalten. Damit bleibt Jesus, der sichsichtlich von seiner Mutter ab- und dem Kreuz als Erlösungssymbolzuwendet, mit dem hochgehaltenen Blitzebündel genau dem Wortlautdes als ,, ökumenisch" benannten lateinischen Wortlaut des Credo an

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Steinpeißer. Zeitschrift des Historischen Vereins Hartberg. 6. Jg., 1999, S. 3-12,6 Abb. Doch keine hier Maria Lebing betreffend. Für den freundlichen Hinweisdanke ich Frau Univ.- Prof. Dr. Elfriede Grabner, Graz 2001. Zu diesem Freskound seinem ikonographisch bedeutsamen Bildgedanken- Umfeld vgl. Kretzenba-cher, Leopold: Maria schützt die Steiermark in Pest- Zeiten. In: Blätter fürHeimatkunde, 75. Jg., Heft 4. Graz 2001, S. 155–163, 3 Abb.

8 Der Begriff ,, ökumenisch" wird in vielen Gebetbüchern der katholischen Kirchem.E. deswegen zu Unrecht verwendet, weil er im Glaubensbekenntnis"zugegeben nicht in allen Fassungen des Credo- das seit dem Beginn des9. Jahrhunderts, also weit über ein Jahrtausend, das zwischen der Theologie der,, Lateiner", der Romkirche und jener der Orthodoxie so sehr geradezu mitexistenzieller Verbitterung umstrittene Wort Filioque enthält. Heute noch wird inden meisten Fassungen des Lateinischen über den ,, Heiligen Geist gepredigtund gebetet, daß er ,, vom Vater und vom Sohne ausgeht". Das erkennt die gesamteOrthodoxie bis heute nicht an, so viele Jahrhunderte die christlichen Theologendarüber gestritten haben. Vgl. dazu: Beck, Hans- Georg: Kirche und theologischeLiteratur im byzantinischen Reich. München 1959, S. 306 ff. et passim.Solches Denken spiegelt sich auch in einem modernen ,, historischen" Roman inunserer Zeit wider, der weltweit in vielen Übersetzungen aus dem Italienischeneben jetzt das Bild von Alt- Byzanz beschwört: Umberto Eco, geb. 1932, Profes-sor für Semiotik an der Universität Bologna, läßt in seinem Roman ,, Baudolino( Mailand 2000; deutsch von Burkhard Kroeber, München- Wien 2001), diesenBaudolino als fiktiven Adoptivsohn des Kaisers Friedrich I., Barbarossa( um1122-1190) sein geradezu abstruses ,, Leben zu Byzanz/ Konstantinopel in denWirren grauenhafter Plünderungen und Brandschatzungen 1204 ff. durch die,, Lateiner" als Kreuzzugs- ,, Pilger ausführlich dem bedeutenden byzantinischenHistoriker Niketas Choniates( aus Chonai 1155-1215/ 16) erzählen. DessenChronikê diêgêsis umfaßt als bedeutendstes Geschichtswerk die Jahre von 1118-1206. Darin läßt also der Dichter Umberto Eco den byzantinischen GelehrtenNiketas seinem ihm befreundeten ,, Lateiner Baudolino" auch von dem ,, Häreti-ker Nestorius( 5. Jahrhundert n.Chr.; persischer Herkunft; zwischen 428 und431 Patriarch von Konstantinopel; als solcher durch das Konzil von Ephesus 431