2002, Heft 3+ 4
Altsteirisches Rühmen Mariens als Helferin
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über die Alpen sich ausbreitenden Pestnöten befaßt.+ Vor ihnen mitihrer so sehr gefürchteten leidigen Contagion schützten sich dieMenschen durch viele Jahrhunderte durch vielfältiges Anrufen ganzbesonderer ,, Pestpatrone“. Im Wesentlichen sind es der spätantik- rö-mische Offizier, pfeildurchbohrt als Märtyrer St. Sebastian; der aqui-tanisch- südfranzösische Arzt- Heilige Rochus von Montpellier( † 1327); ihnen reiht sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf Sizilienin einer Grotte des Monte Pellegrino ob Palermo die hl. Rosalia an;sie war nach ihrem Schlaf seit dem 12. Jahrhundert gerade zur Pest-zeit von 1624,, erwacht"( Abb. 1). Die Jesuiten hatten durch ihrenKult, sehr von Graz aus gefördert, weithin in den Ostalpenländern aufHunderten von ,, Pestsäulen“ die Menschen trösten lassen."
Für die Steiermark aber tritt wenn auch bisher nur vereinzeltbild- dokumentiert auch die ,, Gottesmutter"- so der volkstümlichlieber als ,, Gottesgebärerin“ gebrauchte Name Mariens- hinzu. Sie
4 Kretzenbacher, Leopold: Gedanken zur Schlierseer Pestfahne von 1731. In: Zeitschriftfür bayerische Landesgeschichte, Bd. 67, Heft 3, München 2000, S. 975-990, 4 Abb.5 Vgl. das Lexikon der christlichen Ikonographie( LCI), Sonderausgabe 1994,Freiburg i.Br. ,,, Pestheilige" Bd. VIII, Sp. 155 f.( F. Tschochner); dazu die Ein-zelnamen LCI VII, Sp. 273-275( K. Smits, F. Tschochner). Dazu gesellt sich alseiner der Letzten der norditalienische Kardinal Carl Borromaeus( 1538–1584).Der gewann auch für Österreich Bedeutung: Karls- Kirche in Wien. Ein Freskoder späteren Barockzeit stellt diesen ,, Pesthelfer“ auch in der Steiermark, Wall-fahrtskirche zur ,, Schmerzhaften Maria" auf dem Weizberg bei Weiz, Oststeier-mark, dar.
6 Vor gar nicht langer Zeit wurde seitens der katholischen Theologie vermerkt, daßstreng genommen Maria nur als ,, Gottesgebärerin“, entsprechend dem Konzils-beschluß von Ephesus 431 als theotokos, benannt werden solle. Der Titel ,, Got-tesmutter" sei ein Emotionales, weil er ,, eine einmalige matriarchalische HoheitMarias suggeriert"( Theologische Realenzyklopädie TRE, Bd. XXII. Berlin-New York 1992, S. 138). Anders ausgedrückt: Es sei ,, Gottesmutter" theologischgesehen bedenklich, da ,, Mutter“ eine Art ,, Machtstellung“ kennzeichnet. Es seieben nicht denkbar, daß ,, eine sterbliche Mutter Macht über ein unsterbliches,das göttliche Kind“ ausübe. In Gesprächen mit mir wurde auf jene evangelien-bezeugte Situation bei Lukas 2,41-52 verwiesen, wo Jesus auf dem Rückwegemit Maria und Josef unterwegs seinen„, Eltern“ verloren ging, bis sie ihn, nachdrei Tagen Suchens, im Tempel zu Jerusalem wiederfanden im Gespräch mit den,, Lehrern". Den Vorwurf der ,, Mutter", daß Jesus seinen Eltern das angetan hatte,wies der Knabe zurück mit den Worten, die seine Eltern nicht ,, verstanden". ZuNazaret war Jesus ,, ihnen wieder gehorsam".- Daß sich daran in der Frage derMarienverehrung eine breite theologische Reflexion über die zu Ephesus 431 zurtheotokos gemeinte ,, immerwährende Mutterschaft Mariens in der Gnadenöko-nomie schließt, darf nicht wundernehmen, auch wenn in der allgemeinen