Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
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2002, Heft 1

Chronik der Volkskunde

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Was brauchtümliche Vorformen einer steirischen Kürbistradition anlangt,so ist festzustellen, daß es immer wieder- aber nicht regelmäßig vorkam,daß der ,, Plutzer( mundartlich für Kürbis) als Gesicht geschnitzt und innenmit einer Kerze( bzw. einem Grablicht) versehen und in einer Ecke desabgeernteten Feldes oder beim Haus aufgestellt wurde. Der Termin wardatumsmäßig nicht fixiert, es geschah, wenn man mit der Kürbisernte fertigwar, und es war, wie schon erwähnt, nicht regelmäßig und verbindlich. DieBezeichnung für diese Kürbislichter lautete ,, Kürbislotter"( ,, Lotter" fürBursch, was auch sonst noch als Bezeichnung für Brauchgestalten- ,, Lot-ter" und[ weiblich] ,, Litterin- begegnet).

Die Lichtgesichter waren aber nicht immer und ausschließlich Kürbisse.Als der Halloween- Brauch von irischen Einwanderern in die USA transpor-tiert wurde, waren es anfänglich Rüben, die Verwendung fanden. Als diesenicht ausreichend zur Verfügung standen, ging man zum pumpkin, alsodem Kürbis, der sich hervorragend für diesen Zweck eignete, über. UndRübenlichter waren auch in der steirischen Kürbislandschaft zu finden, wieuns Ausstellungsbesucher berichteten.

Trotz der starken steirischen Kürbistradtion gingen vom Halloween- Kür-bis gestalterische Anregungen aus. ,, Kürbisfeste" und ,, Kürbisstraßen usw.stellen die Frucht in Hülle und Fülle in den Mittelpunkt und betonen dabeinicht selten die steirische Kürbis- Überlieferung und deren Unabhängigkeitvon Halloween als neuem und fremdem Brauch. Sie verstehen sich manch-mal auch als gezielte Gegenbewegung.

Die Halloween- Ausstellung am Institut für Volkskunde und Kulturan-thropologie der Universität Graz steht in einem größeren Zusammenhang.1999 begann die Verfasserin im Rahmen der Privatissima für DiplomandIn-nen und DissertantInnen eine vorerst noch unstrukturierte Dokumentationdieser Innovation, die sich erst so kurz( seit etwa zwei, drei Jahren), abersehr intensiv vor unseren Augen abspielte. Bereits im nächsten Jahr erfolgtendie Recherchen gezielt. Eine feste Gruppe forschte systematisch in mehrfa-cher Weise: u.a. mittels teilnehmender Beobachtung und Interviews im Feld( einschließlich Disco- Szene, Privatpartys und Kindergärten), durch Surfenim Internet( quantitativ äußerst, qualitativ weniger ergiebig, aber aufschluß-reich) und Durchsicht der Printmedien. Aus dem nunmehr vorliegendenumfangreichen und repräsentativen Material, Bilddokumente eingeschlos-sen, wird ein Buch entstehen, das 2002 vorliegen soll.

Editha Hörandner