Aufsatz in einer Zeitschrift 
Die gleiche Sprache in geänderten Zeiten : Beziehungen zwischen Sprache und Regionalität am Beispiel Istriens
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Sanja Kalapoš

ÖZV LVI/ 105

Die Frage der regionalen Identität und des Regionalismus ist inIstrien eine empfindliche: Nach allen Kriegen, Immigrationen undEmigrationen, Kolonisierungen und Fluchtbewegungen ist Istrien einRaum interkultureller Identitäten geworden. Die Bevölkerungsstruk-tur hat sich mehrmals stark geändert, wobei die demographischenSpezifika bei der Bildung der istrischen Interkulturalität eine großeRolle spielten.47 Hier spielen also mehrere Faktoren mit- die histo-rischen( die seit Generationen einen starken Regionalbezug bewirkthaben), die politischen und die wirtschaftlichen, alle meist eng mit-einander verbunden, die kulturellen und sprachlichen, sowie dieFaktoren der Moderne, in der eine breite Vielfalt an Identitätenexistiert, die dem zeitgenössischen Menschen angeboten werden:berufliche, generationsbezogene, geschlechtliche, bis hin zu lokalen,regionalen, nationalen, europäischen oder globalen. Diese Vielfaltvon Faktoren, die die Identitätsbildung( speziell in ost- und mitteleu-ropäischen Ländern nach der Wende) und ihre Änderungen beein-fluẞt, wurde von László Kürti und Juliet Langman dargestellt: ,, With, remaking cultural identities', we stress that the various ethno- politi-cal movements observable in East Central Europe are socially con-stituted, contested, and negotiated as well as historically bounded. 48In diesem Kontext können die zwei Hauptrollen der ,, Ča- Welle" undihrer lokalen Sprache umrissen werden: Die Rolle, die die ,, Ča- Wel-le" in Istrien gespielt hat, ist in erster Linie ein Zeichen des Regiona-lismus, wobei die Zugehörigkeit zum ,, kroatischen Volk" innerhalbder Region als etwas Selbstverständliches angenommen wird, wasnicht laut ausgesprochen werden muß, und die Rolle, die die, Ča-Welle" im Rest Kroatiens gespielt hat, die Rolle eines integrativenFaktors. Der Kern dieses istrischen Regionalismus war de facto nichtpolitisch oder separatistisch motiviert, sondern muß in Kombinationmit den historischen Umständen, die es nicht erlaubt haben, einekroatische( oder slowenische) Identität in Istrien zu entwickeln, undim Zusammenhang mit moderner Identitätssuche und Identitätsbil-dung betrachtet werden. Obwohl die Region Istrien aus der Perspek-

47 Vgl. Piršl, Elvi: Istra i interkulturalni odgoj. In: Društvena istraživanja 25-26( Izazovi interkulturalizma), Zagreb 1996, S. 895–911.

48 Kürti, László und Juliet Langman: Introduction: Searching for Identities in NewEast Central Europe. In: Beyond Borders: Remaking Cultural Identities in theNew East and Central Europe. László Kürti und Juliet Langman, Hg. Boulder,Colorado und Oxford, 1997, S. 1.