Aufsatz in einer Zeitschrift 
Die gleiche Sprache in geänderten Zeiten : Beziehungen zwischen Sprache und Regionalität am Beispiel Istriens
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2002, Heft 1

Die gleiche Sprache in geänderten Zeiten

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seiner Bitterkeit könnte auch damit zu tun haben, daß die populärenMedien und die breitere Öffentlichkeit noch in den Achtzigern keinVerständnis für seinen künstlerischen Ausdruck gezeigt haben, unddaß er auch in den Neunzigern außerhalb Istriens kaum bekanntwurde. Unabhängig davon, ist seine Einstellung zur nahezu, Heilig-keit der lokalen Sprache doch merkwürdig.

Edi Maružin, der Komponist und Leader von Gustafi, erzählt,warum er Ende der 80er Jahre im Dialekt zu schreiben angefangenhat: ,, Als die Serben serbischer als früher geworden sind, als dieKroaten kroatischer als früher geworden sind... dann sind die Istrierauch istrischer als früher geworden. Wir sind zurück zu unserenWurzeln gegangen, wir haben angefangen, unsere Dörfer und dielokalen Leute zu besuchen, und durch diese Kontakte sind auch dieursprünglichen istrischen Spracheigenschaften zu uns zurückgekom-men." 36 Die Informanten betrachten ,, Gustafi" als das beste ,, Ča- Wel-le-Produkt. Rina aus Žminj meint: ,, Wann, Gustafi' singen, das ist

SO

(...) Zum Beispiel,, Noć svetog Valentina'[, Sankt ValentinsNacht'], ich weiß nicht, ob das Lied genauso heißt, aber ich weiß, daßman von der Sankt Valentins Nacht singt, es ist eines der schönstenLiebesgedichte in tschakawischer Sprache." 37

Doch, der echte Star der ,, Ča- Welle" war der Sänger aus dem DorfOrbanići, Alen Vitasović. Nach dem Sieg beim ersten ,, Arena Festi-val" 1994 in Pula war die Karriere Vitasovićs nicht mehr zu stoppen.Die Medien, speziell die lokalen, berichteten über ihn als den wich-tigsten Botschafter Istriens in Kroatien. Als damals bekanntesteristrischer Sänger mußte Vitasović immer wieder seine Einstellungenzu Sprache, Dialekt, Istrien und Politik wiederholen: ,, Ich singe aufTschakawisch, wie ich auch zu Hause spreche. Mein Zuhause ist imSüden Istriens, zwischen Pula und Vodnjan. Am besten kann ichsingen, wenn ich jedes Wort verstehe, wenn ich fühle und liebe, wasich singe, und das ist der einzige Grund, warum ich auf Tschakawischsinge. Der ausgebildete Musiker, der die Musikschule für Klavierund Saxophon absolviert hat, erklärt weiter seine Einstellungen ge-genüber der Politik: ,, Ich bin Istrier, aber auch ein normaler Kroate.

36 Ferina, Zrinka: Autori najboljeg hrvatskog albuma u 1999. In: Nacional, Zagreb.6. Jänner 2000.

37 Kalapoš( wie Anm. 15), S. 79.

38 Balen, Marko: Vitasović pjeva sa zlatnim mikrofonom. In: Slobodna Dalmacija,Split, 29. Juni 1995.