Aufsatz in einer Zeitschrift 
Die gleiche Sprache in geänderten Zeiten : Beziehungen zwischen Sprache und Regionalität am Beispiel Istriens
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Sanja Kalapoš

ÖZV LVI/ 105

festzustellen, wer tatsächlich der Initiator war. Was aber zu vermerkenist: Der Zeitpunkt war einfach reif, um für diese Art der Musik beijungem Publikum Akzeptanz zu finden. Nach den Zeiten des ehemaligenJugoslawiens, in denen die Regionen vernachlässigt wurden, kamen dieZeiten des neuerrichteten Staates, der sich gleich nach seiner Gründunginmitten eines Krieges befand. 1994 begann eine Phase, in der der Krieg,wenn auch noch nicht beendet, so doch wenigstens beruhigt war. Es gabsowohl eine zeitliche als auch eine räumliche Distanz zu den tragischenEreignissen im Osten und Süden Kroatiens, und die Künstler nutzten dieneugewonnene Freiheit- im symbolischen und buchstäblichen Sinne-,um in frischer Kreativität Neues zu schaffen und darzustellen. In diesemBeitrag werden die Phänomene der istrischen Identität des kroati-schen Teils der Region, speziell Mittelistriens( Pazin, Žminj undLupoglav), sowohl der jungen regionalen Bevölkerung² als auch derMusiker und ihre Einstellungen zur sogenannten ,, Ča- Welle"- Mu-sik und dem istrischen tschakawischen Dialekt, diskutiert. In ersterLinie geht es um die Einstellungen zum Istrischen Dialekt im öffent-lichen Diskurs und um deren Änderungen.

Während die allgemeine, Dialektwelle" wieder abebbte und nureinzelne Vertreter dieser Musikrichtung die erste Begeisterung desPublikums überlebten, gelang es Künstlern aus Istrien, die gesamtekroatische Musikszene im Sturm zu erobern: Alen Vitasović, derSänger, der im Jahr 1994 alle Festivals, an denen er teilgenommenhatte, als Sieger verließ, ist sicher die prominenteste Figur. Es gibtnoch zwei weitere istrische Namen, die unbedingt genannt werdenmüssen: ,, Gustafi, eine bereits ältere Rockgruppe, die in ihrer Musikdie traditionellen Elemente mit Rock und sogar Blues kombiniert hat2 Während des Sommers 1998 habe ich neun Interviews mit elf jungen Leuten ausMittelistrien durchgeführt. Die Interviews waren sogennante ,, Qualitativ- oder,, Open- End- Interviews", die nicht geführt wurden, um statistische oder quanti-tative Angaben zu sammeln und darzustellen, sondern um die Einstellungen undAnsichten der jungen Leute zu den angegebenen Themen zu erforschen. DieIdentität der interviewten Personen wird durch Pseudonyme geschützt, undpersönliche Angaben werden ausschließlich mit dem Einverständnis der betref-fenden Person genannt( vgl. Kalapoš, Sanja: Region, Ethnizität und Musik:Identitätskonstruktion in Istrien. Dissertation, Institut für Europäische Ethnolo-gie der Universität Wien, 2000, S. 27).

3 Als Quellen zu istrischen Künstlern und ihrer Musik dienen die im Zeitraum von1993 bis 2000 veröffentlichten Interviews und Berichte aus den meistverkauftenkroatischen Tages- und Wochenzeitungen sowie Magazinen( Kalapoš[ wieAnm. 2], S. 25).