Chronik der Volkskunde
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die rezenten„ Veranstaltungen und Sendungsformate mit gepflegterVolksmusik und andererseits Großevents mit volkstümlicher Musik"gehe, die das Klischee des lustigen Tirolers nützten, an dem es seitdem 19. Jahrhundert Kritik gebe. Diese Kritik beschränkt sich in derAusstellung auf einen Bildschirm mit der Satire Die Fremden kommenvon 1976, ein Zitat von Hans Haid und Hörbeispiele von Liedern, diesich parodistisch über die- deutschen- Gäste lustig machen.
Verlässt die Besucher* in die Ausstellung, hat sie das Gefühl,eine inszenatorische Blase durchwandert zu sein. Wie bereits gesagt,gelingt es der Ausstellung, das Klischee der singenden Tiroler* innennicht nur zu zeigen, sondern es als solches zu entlarven. Sie fragtjedoch nicht, in welchem Bedeutungszusammenhang das alles steht,ob oder warum Tirol hier eine Sonderstellung einnimmt oder wel-che realen alltags- und gesellschaftspolitischen Auswirkungen dieseVorstellungswelt hat, aus der sich Musikvermarktung und Touris-muswirtschaft bedienen, und wem sie sonst noch nützt. Und das istletztendlich und in Kenntnis früherer, analytischer Ausstellungen desHauses doch, nicht nur angesichts aktueller Diskurse um contentiousheritages, ganz einfach schade.
KATHRIN PALLESTRANG
In memoriam Hans Grießmair( 1938-2022)
Ende Mai 2022 nahm Südtirols Kulturwelt Abschied von Dr. HansGrießmair, dessen Name in engster Verbindung mit dem Aufbauund der Geschichte der Südtiroler Landesmuseen steht. Grieẞmairwar der langjährige Direktor des ersten Landesmuseums in Südti-rol, des Volkskundemuseums in Dietenheim bei Bruneck.
Hans Grieẞmair absolvierte das Studium der Volkskundeund Germanistik an der Leopold- Franzens- Universität in Inns-bruck. Dass er für seine Dissertation bei Prof. Karl Ilg das Thema„ Knecht und Magd in Südtirol, dargestellt am Beispiel der bäuerlichenDienstboten im Pustertal“ gewählt hatte, hing wohl mit seinerper-sönlichen Geschichte zusammen. Am 11. November 1938 wurde er ineine arme, kinderreiche Familie hineingeboren, die Eltern verdienten