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ÖZV, LXXVI/ 125, 2022, Heft 2
sich bestimmte Mechanismen jeder Transparenz entziehen,gar ingeheime Absprachen, Korruptionen und verborgene Logiken derMacht münden? Die Anwesenheit und die rege Diskussionsteil-nahme einiger Praktiker* innen aus den beforschten Feldern trugenmaßgeblich dazu bei, diese Spannungen sichtbar zu machen und sieauf ihre praktischen Implikationen hin zu befragen. Rückblickendwären großzügiger bemessene Vortrags- und Diskussionsslots wün-schenswert gewesen, nicht zuletzt, um den interdisziplinären Trans-fer niedrigschwelliger zu gestalten und auch auf grundsätzliches Fach-vokabular eingehen zu können, das für die beteiligten Disziplinenzwar grundlegend ist, allerdings nicht überall gleich verstanden wird.Dies ist allerdings auch der einzige kleine Kritikpunkt an der überausgelungenen Abschlusskonferenz.
FELIX GAILLINGER
,, WORKSHOP ZUM, ORIGINAL. Die Archivalie im Zeitalterder multimedialen Repräsentierbarkeit", ForschungsinstitutBrenner- Archiv, Innsbruck, 29. bis 30. September 2022
In einem Literaturarchiv wie dem Forschungsinstitut Brenner- Archivstellt sich in Zeiten von Digitalisierung und virtuellen Welten ver-mehrt die Frage nach dem Verhältnis von Original und digitalerKopie. Gerade die Corona- Pandemie zeigt, wie wichtig es ist, Digi-talisate für die Forschung und eine interessierte Öffentlichkeit zurVerfügung zu stellen. Doch wird dadurch das Original im Archivobsolet? Was ist der Mehrwert des Originals, der im Archiv so selbst-verständlich angenommen, vielleicht aber auch zu wenig hinterfragtwird? Das Organisationsteam( Michael Schorner, Ulrike Tanzer,Anton Unterkircher, alle Brenner- Archiv) lud Expert: innen ein, diedas Thema mit Mitarbeiter: innen aus dem Brenner- Archiv und einemkleinen Kreis von externen Gästen aus verschiedensten Perspektivenbeleuchten sollten.
Der Workshop startete am 29. September 2022 mit zwei Bei-trägen. Alexander Honold( Universität Basel) eröffnete mit dem Bei-trag Schnee auf Papier, in dem er sich mit Schreibspuren in Kafkas