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125 (2022) / N.S. 76
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neuerdings

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In den letzten Jahren widmeten die Mitarbeiter* innen desVolkskundemuseums Wien viel Arbeitszeit der biografischen undwissenschaftshistorischen Recherche zu Sammler* innen, derenObjekte als Schenkungen, Ankäufe oder durch Hinterlassenschaftenins Museum gekommen waren, wie Rudolf Trebitsch, Eugenie Gold-stern oder Leopold Forstner. Sie bilden die Eckpunkte der Samm-lungsgenese des Hauses, aber ihre Beforschung ist bei weitem nichtabgeschlossen.

Unter den abertausenden Objekten des Museums befindensich jedoch auch solche von namhaften Künstler* innen, zum Bei-spiel von Viktor Lederer oder von der NS- Künstlerin Erna Moser-Piffl. Ihre Werke wurden nicht um ihrer selbst willen, also nicht alsKunstobjekte, gesammelt, sondern als( idealisierte) Illustrationen vonLebensweisen.

Dass eine Künstler* in an unser Museum herantritt, wie esin diesem Fall geschehen ist, und ein Kunstwerk, nämlich The Octo-gon, für die Sammlung anbietet, ist also durchaus ungewöhnlich. DieKurator* innen entschieden sich nach Beratung für die Aufnahme desWerkes in die Sammlung, jedoch nicht, um ein Werk der Künstlerinzu besitzen, sondern aufgrund der besonderen Bedeutung dieses Wer-kes als Materialisierung der Erinnerung an die Terrornacht in Wienvon 2020 und der besonderen Umstände seiner Herstellung.

Die Zeichen der Solidarität, des Betroffenseins und des Bei-leids, die an den Tatorten hinterlassen wurden, sind in The Octogonbuchstäblich eingegossen. Zeichen, die ihrerseits wieder anonymeObjekte waren, wie die Kerzen, die in Fabriken hergestellt wordenwaren, oder die Blumensträuße, an die vielfältige Fragen geknüpftwerden könnten( Wer hat sie angepflanzt, wer geerntet? WurdenPflanzenschutzmittel verwendet? Wie liefen die Transportwege?), dieaus Pietät unterbleiben. Viele Menschen waren also an der Herstel-lung beteiligt, deren Namen aus oben genannten Gründen unbekanntsind und nicht in die Musemsdatenbank aufgenommen werden kön-nen. Unbekannt sind ebenfalls die Namen der Menschen, die dieseZeichen setzten.

Ebenso sind die Namen der Opfer aus Rücksicht auf ihreFamilien und Freundeskreise öffentlich nicht genannt worden undwerden auch nicht in die Inventardatenbank des Museums aufgenom-men. Die Namen des Täters und seiner Helfer bleiben aus anderen