Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde125 (2022) / N.S. 76Gerber, Sophie; Kühnlenz, Sophie: Feminist and Queer Perspectives on Food

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Feminist and Queer Perspectives on Food : queere und feministische Perspektiven auf Essen und Ernährung für eine kritisch-reflexive Museumspraxis
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ÖZV, LXXVI/ 125, 2022, Heft 2

Ausgangspunkt war das Ziel des Workshops, sich kritisch mit Kons-truktionen von vergeschlechtlichter und/ oder heteronormativer Tech-nologie und Wissenschaft auseinanderzusetzen, die Rolle von Objek-ten und materieller Kultur aus queer- feministischen Perspektiven inden Blick zu nehmen und zu fragen, was eine genderinformierte,intersektionale museale Theorie und Praxis aus der Beschäftigungmit Essen und Ernährung ziehen kann.

Welche Herausforderungen und Potenziale ergeben sich auseiner genderinformierten Auseinandersetzung mit Essen und Ernäh-rung? Wie können Museen Essen als ein vielschichtiges, nicht nurgeschlechtliches Phänomen verstehen, sammeln und ausstellen? Wiesieht die materielle Kultur des Essens aus? Wie kann seine kulturelleund soziale Praxis gefasst und gezeigt werden? Uns als Organisato-rinnen des Workshops begegnen diese und weitere Fragen wiederholtund in verschiedenen Kontexten. Zum einen als Forschungsgegen-stand bei der Beschäftigung mit der diskursiven Verhandlung gende-rinformierter musealer Praktiken in Technik- und Industriemuseen.Zum anderen als reflexive Praxis bei der Erforschung und Kontex-tualisierung materieller Kultur aus den Bereichen Haushaltstechnikbzw. Nahrungs- und Genussmittel in den Sammlungen des TMW.Bei der Auseinandersetzung mit Genderdiskursen und ihrerImplementierung im Sammeln, Ausstellen und Vermitteln wird, wieauch im Laufe des Workshops, deutlich, dass es bei queeren undfeministischen Perspektiven auf Technik im Museum und darüberhinaus einerseits um die Sichtbarmachung marginalisierter Personenund Geschichten geht. Frauen und/ oder Geschlecht zum Thema zumachen, bedeutet andererseits, eine queer- feministische und bestän-dig hinterfragende, kritische Praxis zu üben, die( Gender-) Normen,Hetero- Normalitäten und vermeintliche Gewissheiten immer wiederauf die Probe stellt. Darüber hinaus handelt es sich um eine kritischePerspektive, die den kontingenten, kontextbedingten und situiertenCharakter technischer, gesellschaftlicher und musealer Wissensbe-stände und die Produktion von Wissen selbst zur Diskussion stellt.Wer hat Zugang zu Technik, zu technischer Bildung und technischenNeuerungen? Wer ist involviert in die Entwicklung neuer Technik,wer wird als technikaffines Subjekt im Museum präsentiert undwer nicht? Was ist Technik überhaupt und welche Technik wird imMuseum gesammelt und ausgestellt? Welche Rollen spielen gender