Jahrgang 
125 (2022) / N.S. 76
Seite
174
Einzelbild herunterladen
 

174

ÖZV, LXXVI/ 125, 2022, Heft 1

Julia Bärninghausen, Constanza Caraffa, Stefanie Klamm,

Franka Schneider, Petra Wodke( Hg.): foto- objekte. forschen inarchäologischen, ethnologischen und kunsthistorischen archiven.Kerber: Bielefeld, 288 Seiten, 2020, zahlr. Abb.

Das Interesse an der Objekthaftigkeit der Fotografie hat in letzterZeit an Relevanz gewonnen. Dabei sind es vor allem Fragen nachhistorischen Gebrauchsweisen und Spuren des Hantierens mit foto-grafischen Bildern, die zu neuen Forschungsperspektiven führen. EinSchwerpunkt dieser aus dem angloamerikanischen Raum importier-ten Ansätze ist das Interesse an Fotoarchiven. Diese seit dem späten19. Jahrhundert in Museen, universitären Forschungseinrichtungenund Archiven angelegten Bilder- Ordnungen interessieren heute, imZeitalter elektronischer Bildrecherchen, auf neue Weise. Der hiervorgestellte Band foto- objekte ist gewissermaßen von der Frageangetrieben, welche historischen Spuren des Umgangs mit Fotogra-fie sich in Archiven finden lassen. Gefragt wird danach, wie diese dieEntstehung unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen mitge-staltet haben und welche Arten des Denkens und Argumentierens mitBildern sich in den konkreten Ordnungslogiken und Archivpraktikennachvollziehen lassen.

Wesentliches Anliegen der ambitionierten Publikation, dieaus dem Verbundprojekt Foto- Objekte. Fotografien als( Forschungs-)Objekte in Archäologie, Ethnologie und Kunstgeschichte( 2015–2018) hervorging, ist der interdisziplinäre Blick. Geforscht wurdein der Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz, in derKunstbibliothek und Antikensammlung der Staatlichen Museen zuBerlin( Preußischer Kulturbesitz) sowie am Institut für EuropäischeEthnologie der Humboldt- Universität. Dort stand das Hahne- Nie-hoff- Archiv im Fokus: eine Sammlung volkskundlicher Fotografienvon Bräuchen der 1920er bis 1940er Jahre mit völkischer Program-matik, die nach 1945 von ihrem ursprünglichen Ort, der Landesanstaltfür Vorgeschichte in Halle( Saale), disloziert und gewissermaßen zuwandern und sich zu zerstreuen begann. Franka Schneider rekonst-ruiert in ihrem Text diese, Biographie' des Archivs und fragt danach,wie mit den darin enthaltenen Foto- Objekten umgegangen wordenist etwa in Form von Zweit- und Drittnutzungen, ein Phänomen,