72
ÖZV, LXXVI/ 125, 2022, Heft 1
Ševčenko- Gesellschaft im selben Jahr, Publikationen mit dem Volks-kundemuseum auszutauschen.12 Zwar enthält der Briefwechsel eineDanksagung für die Rezension, weitere Details zum Kontakt werdenjedoch nicht deutlich. Der Ševčenko- Gesellschaft berichtete Frankoim November 1903 von einem Treffen mit Haberlandt, bei dem der„ Plan einer ethnographischen Exkursion unter die Bojken bespro-chen13 worden sei.
Aus diesen Briefen erschließt sich nicht, ob das das erste per-sönliche Treffen dieser Wissenschaftler war und wie es zustande kam.Allerdings findet sich im Netzwerk beider Akteure auch ein bishernicht ausreichend beleuchteter Mittler. Zenon Kuzelja( 1882-1952),ein ukrainischer Student der Philologie mit besonderer Begeisterungfür Folklore, reiste 1904 selbst mit ins Bojkenland. 1903 war er alsPraktikant am Museum für österreichische Volkskunde tätig, dochschon zuvor studierte er bei Haberlandt. Der ukrainische Student warseit dem Wintersemester 1901 in Wien und vernetzte sich schnell mitdiversen Institutionen. Kuzelja hat auch darüber hinaus seine Spu-ren im Museum hinterlassen, nicht nur durch kleinere Publikatio-nen einige Jahre später, sondern auch durch die Beschriftung einerostgalizischen Fotosammlung des ukrainischen Ethnografen Volody-myr Šuchevyč, die das Museum 1903 ankaufte.14 Für die Ševčenko-Gesellschaft nahm der Student eine wichtige Mittlerrolle ein, indemer Wissen und Forschungsmaterial in Wiener Institutionen akku-mulierte, wofür die Gesellschaft sein Studium finanziell unterstützte.Letztlich ist deshalb zu überlegen, ob Kuzelja nicht gar zwischen demVerein für Volkskunde und Franko bzw. der Ševčenko- Gesellschaftvermittelte.15
12
Chronik der ukrainischen Ševčenko- Gesellschaft der Wissenschaften inLemberg 10, 1902, S. 41.
13
Chronik der ukrainischen Ševčenko- Gesellschaft der Wissenschaften inLemberg 16, 1903, S. 19 f.
14
15
ZföV IX, 1903, S. 130; Positiv- Inventarbuch 1( 1894-1912, Original-version), pos/ 1-2243, S. 33 und unpag. Beiblatt zu den FotografienŠuchevyčs. Die Handschrift Kuzeljas auf dem Beiblatt haben AstridHammer und ich durch einen Vergleich mit anderen Proben ermittelt.Vgl. hierzu ausführlich Rohde( wie Anm. 10), S. 330-335.