Martin Rohde
,, Bekommen wir auchPhotographien?" Die Expeditionins Bojkenland 1904, ihreFotosammlung und warumnur acht Positive ihren Wegnach Wien fanden
Die sogenannte„ Expedition ins Bojkenland“ aus dem Jahr 1904 – soder Titel des Berichts in der Zeitschrift für österreichische Volks-kunde ist längst ein prominenter Teil der Galizienforschung undmehr als nur eine Randnotiz in der Geschichte der österreichischenVolkskunde. Gleichsam verbirgt sich hinter dieser Episode die Her-kunftsgeschichte der Bojkensammlung im Volkskundemuseum Wien.Als„ Bojkenland“( ukr. bojkivščyna) ist eine im Verlauf des 19. Jahr-hunderts erfundene ethnografische Region in den Ostkarpaten – zwi-schen den Lemken im Beskidenraum und den prominenteren Huzu-len südlich der Bojken- zu verstehen.
Der Autor des Berichts, Ivan Franko( 1856-1916) ², war einukrainischer Schriftsteller, Politiker und Ethnograf aus dem ostgali-zischen Lemberg und bewegte sich zwischen verschiedenen sprach-lichen und kulturellen Milieus, so insbesondere auch in Wien um1900. Michael Haberlandt( 1860-1940) als wesentlicher Organisatordes damaligen Museums für österreichische Volkskunde, ³ bemühte
1 Ivan Franko: Eine ethnologische Expedition in das Bojkenland.
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In: Zeitschrift für österreichische Volkskunde[ nachfolgend ZföV] XI,1905, S. 17-32, 98–115.
Jaroslav Hrycak: Prorok u svojij vitčyzni. Franko ta joho spil'nota( 1856-1886). Kyjiv 2006.
Zur Geschichte des Vereins, des Museums und der Institutionalisierungder Volkskunde vgl. Herbert Nikitsch: Auf der Bühne früher Wissen-schaft. Der Verein für Volkskunde in Wien( 1894-1959)(= Buchreihe